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Der Chart des Tages

Der Realzins weist den Weg.

Martin Lüscher

Wer wissen will, warum es an den Aktienmärkten seit Wochen abwärtsgeht, braucht sich nur die Realzinsen anzuschauen. Die Renditen der inflationsgeschützten Anleihen (TIPS) sind zuletzt wieder deutlich gestiegen. Die Rendite der fünfjährigen TIPS erreichte mit 0,87% einen Wert, den sie zuletzt 2019 erreicht hatte.

Seit November 2021 geht es bei den Renditen kontinuierlich nach oben. Notierte die Rendite der zehnjährigen TIPS im April erstmals wieder im positiven Bereich, gilt dies nun für die gesamte reale Zinskurve.

Der Einfluss auf die Märkte ist offensichtlich. So hat der FANG+-Index der Mega-Tech-Aktien in den vergangenen drei Wochen – als sich die Rendite der fünfjährigen TIPS verdreifachte – 12,5% eingebüsst. Doch nicht nur der Aktienmarkt leidet unter den steigenden Realrenditen.

«Gold, das ein klassischer sicherer Hafen und ein zinsloser Vermögenswert ist, erreichte letzte Woche fast ein Jahrestief, als die realen Renditen neue Höchststände erreichten», schreibt Henry Allen, Research Analyst der Deutschen Bank.

Allen rechnet damit, dass der Realzins an der Börse weiter für Volatilität sorgen wird und begründet dies mit den unterschiedlichen Erwartungen der Währungshüter und der Marktteilnehmer.

«Die Währungshüter betonen, dass sie die Zinsen weiter straffen werden, während die Markteilnehmer damit rechnen, dass das Federal Reserve nicht so weit straffen wird, bis der Leitzins über der Inflationsrate liegen wird, auch wenn dies in den vergangenen Jahrzehnten immer der Fall war», schreibt er.

(Quelle der Grafik: S&P Global Market Intelligence)