Meinungen

Doch Gold

Der Goldpreis hat sich in den letzten zwölf Monaten auf den ersten Blick enttäuschend entwickelt. Dennoch sollten die Anleger nicht verzagen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Gold ist eine Diversifizierung im Portfolio und kein Spekulationsobjekt im Sinne von Bitcoin.»

Das hatte ich mir doch anders vorgestellt. Im Jahresvergleich hat Gold etwas über 3% verloren, seit dem Höchst im März gar 15%. Wie meine Kollegin Sylvia Walter richtig schreibt, hat Gold als Inflationsschutz jämmerlich versagt. Wenn man die Entwicklung allerdings ganz nüchtern betrachtet, relativiert sich das Bild etwas. Wer in den letzten zwölf Monaten auf Aktien gesetzt hat, der hat sowohl gemessen am S&P 500 (–7%) als auch am Swiss Market Index (–11%) mehr verloren.

Gold ist nicht Bitcoin

Berücksichtigt man dann noch, dass der Dollar gegenüber dem Franken an Wert zugelegt hat, bleibt mit Gold im Endeffekt gar noch ein kleines Plus übrig. Gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass sonst so gut wie alle Anlagen deutlich verloren haben. Investoren sollten nicht vergessen, warum sie Gold kaufen. Gold ist eine Diversifizierung im Portfolio und kein Spekulationsobjekt im Sinne von Bitcoin. «Gold hat sich als Safety Net bewährt, ist aber kein Renditetreiber», habe ich an dieser Stelle Mitte Jahr geschrieben. Dabei bleibe ich.

Dass Gold wie im März bald wieder über 2000 $ je Unze springt, glaube ich allerdings nicht. Die steigenden Realzinsen in den USA machen ihm das Leben schwer. Das könnte sich aber  ändern. Was es dazu braucht? Ein Ende der Zinserhöhungen in Amerika.

Gute Kunde aus den USA

Es gibt einige Auguren, die bereits dieses Jahr mit einem Zinsschritt des Fed nach unten rechnen. Doch auch wenn es etwas länger gehen sollte, ist Gold für leichte Gewinne positioniert. Der Markt wartet ja nicht mit einer Reaktion, bis ein Ereignis Tatsache geworden ist, sondern antizipiert die Zukunft. Ich schraube zwar meine Kurserwartungen für Gold etwas nach unten, bleibe dem Edelmetall aber treu.

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