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DWS tauscht nach Greenwashing-Verdacht CEO aus

Einen Tag nach einer Razzia wegen Greenwashing-Verdachts bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS hat diese ihren Chef ausgetauscht.

(Reuters) Der bisherige Vorstandschef Asoka Wöhrmann habe sein Mandat mit Wirkung zum Ablauf des Tages der Hauptversammlung, die am 9. Juni stattfindet, niedergelegt, teilte die DWS in der Nacht zum Mittwoch mit. Das Ruder übernehmen soll nun der Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank, Stefan Hoops. Er sei von der Gesellschafterversammlung mit Wirkung zum 10. Juni zum Mitglied und Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt worden. An der Börse trennten sich die Anleger von DWS-Aktien: Im SDax rutschten die Papiere um mehr als 6% ab auf 31,16 €.

In einer Mitteilung an die Beschäftigten der DWS schrieb Wöhrmann zu seinem Ausscheiden: «Die Anschuldigungen, die in den letzten Monaten gegen die DWS und mich erhoben wurden, auch persönliche Angriffe und Drohungen, wie unbegründet oder unhaltbar sie auch sein mögen, haben Spuren hinterlassen.» Sie seien sowohl für die Firma als auch für ihn und vor allem für seine Angehörigen eine Belastung. «Daher habe ich mich schweren Herzens mit der Firma darauf geeinigt, als CEO zurückzutreten.» Er wolle sowohl der DWS als auch ihm selbst einen Neuanfang ermöglichen.

DWS-Aufsichtsratschef Karl von Rohr erklärte, er zolle der Entscheidung Wöhrmanns grossen Respekt. Er würdigte zudem dessen Leistungen an der Spitze der DWS. Dank seiner Führung habe sich die DWS erfolgreich an der Börse etabliert und sei für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Mit Stefan Hoops sei jetzt ein herausragender Manager gefunden worden, die Führung bei der DWS zu übernehmen. Dabei verwies von Rohr unter anderem auf die Kapitalmarktexpertise von Hoops.

Razzia bei der DWS

Die DWS steht schon seit Monaten wegen Vorwürfen unter Druck, sie habe «Greenwashing» betrieben, also Etikettenschwindel bei den Angaben zu Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten von Investments. Am Dienstag hatten Mitarbeiter von Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht BaFin und des Bundeskriminalamts deswegen die Firmenzentralen der DWS und der Deutschen Bank. Wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs werde gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS ermittelt, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit.

Die DWS erklärte dazu, sie stehe voll und ganz hinter ihrer Erklärung vom 26. August 2021. Damals hatte sie entsprechende Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Die Fondsgesellschaft teilte zudem mit, sie habe in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun.

ESG-Anlagen (ESG: Environment, Social, Governance) sind einer der Mega-Trends der Finanzbranche. Daher treffen die Vorwürfe die DWS und die Deutsche Bank (DBK 10.31 -0.73%) an einer empfindlichen Stelle. Denn sie haben sich Nachhaltigkeit gross auf die Fahnen geschrieben und wollen das Geschäft in den kommenden Jahren ausbauen.

Die DWS war erstmals im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem die frühere Leiterin des Unternehmensbereichs Nachhaltigkeit, Desiree Fixler, Vorwürfe erhoben hatte, das Unternehmen sei zu lax mit den Kriterien für «grüne» Investments umgegangen. Die DWS verkaufe bei der Vermarktung von sogenannten ESG-Finanzprodukten diese als «grüner» oder nachhaltiger, als sie tatsächlich seien. Fixler hatte die DWS nach nur wenigen Monaten im Job verlassen. Sie hatte sich 2021 als «Whistleblower» zunächst der US-Börsenaufsicht SEC und dem FBI offenbart.