Märkte / Aktien

SMI: Händler hoffen auf Erholung

Die Schweizer Börse wird am Donnerstag erneut etwas schwächer erwartet. Gebremst wird sie vor allem durch das Schwergewicht Novartis.

(AWP/Reuters) Die Schweizer Börse wird nach dem erneuten Kursrutsch am Vortag am Donnerstag erneut etwas schwächer erwartet. Dies liegt aber vor allem daran, dass die Aktien des Schwergewichts Novartis im Zusammenhang mit einer Weko-Untersuchung unter Druck stehen. Insgesamt stünden die Chancen für eine Erholung – ähnlich wie in den USA – damit aber gut. Die US-Börsen hatten sich am Mittwoch nach einem schwachen Start in die Gewinnzone retten können. Sie waren am Tag zuvor allerdings nach unerwartet hohen Inflationszahlen auch regelrecht eingebrochen und hatten viel grössere Einbussen verzeichnet als die europäischen Märkte.

Für eine Erholung sorgten die Produzentenpreise, die eine Abschwächung des Preisauftriebs in den USA signalisierten, heisst es am Markt. Dies habe die Gemüter beruhigen können. Wegen der hohen US-Inflation fürchteten die Anleger aber, die US-Notenbank Fed werde im Kampf gegen die steigenden Preise die restriktive Geldpolitik trotzdem fortsetzen und damit letztlich die Wirtschaft in eine Rezession stürzen. Damit dürfte die erhoffte Erholung auf tönernen Füssen stehen, heisst es weiter. Am Donnerstag könnten zahlreiche US-Konjunkturdaten das Geschehen beeinflussen. Veröffentlicht werden die Detailhandelsumsätze, der Importpreisindex, die Kapazitätsauslastung sowie die konjunkturellen Frühindikatoren Empire Manufacturing und Philadelphia Fed Index.

Der vorbörslich von der Bank Julius Bär (BAER 54.32 +0.37%) berechnete SMI (SMI 11'068.30 +0.58%) notiert gegen 8.15 Uhr um 0,20% tiefer bei 10’732,70 Punkten. 19 der 20 SMI-Titel werden fester indiziert. Die Aufschläge liegen zwischen +0,8% (Swisscom (SCMN 512.60 +0.63%)) und +0,1% (SGS (SGSN 2'175.00 +0.97%)).

Novartis (NOVN 85.48 +0.21%) (-1,2%) schwingen nach unten aus. Die Weko hat eine Untersuchung wegen des möglichen Einsatzes von Sperrpatenten eingeleitet. Zudem hat Credit Suisse (CSGN 3.14 +6.76%) die Empfehlung für die Aktien von Novartis auf «Neutral» von «Outperform» gesenkt.

Genau umgekehrt ist es bei Rivale Roche (+0,6%): Hier hat die CS das Rating auf «Outperform» von «Neutral» erhöht.

Ebenfalls fester gestellt sind Swisscom (+0,8%). UBS (UBSG 17.13 +0.71%) hat das Rating für den Telekomtitel auf «Neutral» von «Sell» erhöht. Leicht höher indiziert sind Swiss Re (SREN 87.04 +0.69%) (+0,1% auf 82,12 Fr.) – und dies obwohl die UBS bei einem leicht erhöhten Kursziel von 71 nach 69 Franken die Verkaufsempfehlung bestätigt hat.

Auch bei den Akten aus dem SMIM (SMIM 2'529.74 +1.58%) halten sich die Gewinne mit 0,1 bis 0,2% in Grenzen. Einzig Schindler (SCHP 179.95 +2.27%) stehen mit -0,7% im Minus, nachdem Morgan Stanley (MS 89.52 +0.94%) die Empfehlung auf «Equal Weight» von «Overweight» abgestuft hat.

EUR/CHF (EUR/CHF 0.9846 -0.41%) hält sich über 0,96

Der Euro hat sich am Donnerstagmorgen zunächst kaum von der Stelle bewegt. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 0,9966 $ und damit etwas weniger als 1 $.

Auch zum Franken hat sich der Euro mehr oder weniger seitwärts bewegt und kostet aktuell 0,9605 Fr. nach 0,9611 am Vorabend. Gegenüber dem Dollar hat der Franken minim an Wert verloren und wird derzeit zu 0,9640 Fr. gehandelt nach 0,9630 am Mittwochabend.

Am Donnerstag stehen nachmittags zahlreiche Konjunkturdaten aus den USA auf dem Programm. Grosses Augenmerk dürfte auf Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel gelegt werden, da die Daten Hinweise auf die Stärke des privaten Konsums geben. Interesse dürften auch Preiszahlen vom Aussenhandel hervorrufen, da die Inflation derzeit eines der marktbeherrschenden Themen ist. Aus der Eurozone äussern sich einige ranghohe Zentralbanker.

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise haben am Donnerstag im frühen Handel leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 93,88 US-Dollar. Das waren 22 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI (WBS 71.75 -0.86%)) fiel um sieben Cent auf 88,41 Dollar.

Nach wie vor notieren die Erdölpreise auf hohem Niveau, in den vergangenen Wochen haben sie allerdings deutlich nachgegeben. Die erwartete Abschwächung der globalen Konjunktur und die vielerorts stark steigenden Zinsen dämpfen die Aussichten für die Nachfrage nach Rohöl, Benzin und Diesel.

Am Mittwoch gab sich die Internationale Energieagentur (IEA) entsprechend skeptisch, vor allem mit Blick auf die Nachfrage aus China. Dort sorgt seit längerem die strenge Corona-Politik der politischen Führung für erhebliche Konjunkturbelastung. In der Grossstadt Chengdu sollen jedoch jüngst ergriffene Restriktionen gelockert werden.

Stabilisierte US-Märkte

Nach dem Kursrutsch vom Vortag haben sich die US-Märkte am Mittwoch stabilisiert. Der Markt klammerte sich an die Publikation der Erzeugerpreise in den USA. Sie kletterten im August mit 8,7% zum Vorjahresmonat nicht mehr so rasant wie im Juli (9,8%).

Dennoch rechnen viele Investoren damit, dass das Fed in der kommenden Woche den Leitzins nicht nur wie bislang erwartet um drei Viertel, sondern um einen vollen Prozentpunkt anhebt, schreibt Reuters..

Der Nasdaq 100 erholte sich 0,8% auf 12’134,4. Der S&P 500 stieg 0,3% auf 3946, und der Dow Jones Industrial gewann marginal, 0,1% auf 31’135,1.

Johnson & Johnson kündigte den Rückkauf eigener Aktien im Wert von 5 Mrd. $ an, was den Papieren 2% Auftrieb verlieh. Der Medienriese Comcast (+3%) will sein bisheriges Aktienrückkaufprogramm auf 20 Mrd. $ verdoppeln. Am Markt hiess es, die gesunkenen Aktienkurse seien mit ein Auslöser dieser Massnahmen.

Auch die Valoren von Starbucks (+5,5%) gehörten zu den Gewinnern. Die Kaffeehauskette hat die Mittelfristziele nach oben angepasst. Der Gewinn soll in den kommenden drei Jahren jährlich 15 bis 20% statt 10 bis 12% steigen.

Sorgen wegen drohender Streiks bremsten die Papiere von Eisenbahnbetreibern wie Union Pacific (–3,7%) oder CSX (–1%). Ein Ausstand würde den Kohletransport an Kraftwerke beeinträchtigen, wodurch andererseits mehr Strom aus Gaskraftwerken benötigt würde. Das trieb Aktien der Gasförderer wie Fortress Tellurian an. Die Titel des Ölriesen Chevron waren mit 2,4% die Gewinner im DJI.

Asiatische Börsen uneinheitlich

Die asiatischen Aktienmärkte profitieren nicht durchweg von der positiven US-Tendenz und tendieren am Donnerstag uneinheitlich. Der japanische Nikkei liegt 0,4% im Plus, der koreanische Kospi notiert dagegen leicht im Minus. In China gewinnt der Hongkonger Leitindex Hang Seng 0,4%, dagegen tendiert der Shanghai Composite rund 1% schwächer.