Meinungen

Der Währungsvorteil der Nationalbank

Die SNB kann sich den zinspolitischen Vorgaben der EZB nicht vollständig entziehen. Aber sie verfügt über einen entscheidenden Vorteil. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Die autonome Währungspolitik, für die sich die Schweiz entschieden hat, und wegen der sie zeitweise heftig kritisiert wurde, zahlt sich nun aus.»

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen drastisch erhöht und will die Zügel künftig weiter straffen. Steht damit auch die Schweizerische Nationalbank unter Zugzwang? Nicht unbedingt. SNB-Chef Thomas Jordan hat am Donnerstag gegenüber FuW zwar durchblicken lassen, dass auch hierzulande der Leitzins weiter angehoben wird. Der nächste Termin ist die Direktoriumssitzung übernächste Woche.

Aber die Nationalbank verfügt im Kampf gegen die Inflation über einen entscheidenden Vorteil gegenüber der EZB.

Das effektivere Werkzeug

Die EZB kann nur die Zinsen erhöhen, die SNB verfügt noch über ein zweites Instrument: den Franken. Im gegenwärtigen inflationären Umfeld wirkt die Aufwertung wie ein Stossdämpfer. Der Anstieg der Importpreise wird gedrosselt.

In mancher Hinsicht ist der Wechselkurs sogar das effektivere Werkzeug gegen die Inflation als Zinserhöhungen, die nur zeitlich verzögert und über eine Schwächung der Nachfrage wirken.

Grösserer Handlungsspielraum der SNB

Dagegen ist die EZB mit einem schwachen Euro konfrontiert, der den Inflationsimport noch forciert, sodass sie die Zinsen noch stärker erhöhen muss. Die autonome Währungspolitik, für die sich die Schweiz entschieden hat, und wegen der sie zeitweise heftig kritisiert wurde, zahlt sich aus. Sie verschafft der SNB nun Handlungsspielraum.

In zwei Wochen dürfte sie den jüngsten Zinsschritt der EZB von 0,75 Prozentpunkten zwar nachvollziehen. Die von den Märkten danach erwarteten EZB-Zinsrunden von weiteren mindestens 1,5 Prozentpunkten bis März 2023 sind für die Schweiz indes eher etwas zu hoch gegriffen.

 

Leser-Kommentare

Jürg Häusermann 09.09.2022 - 18:27
Herr Neinhaus erscheint mir etwas wankelmütig in seinen Urteilen. So hat er vor ein paar Wochen die SNB-Beurteilung, wonach der CHF nicht mehr überbewertet sei, in Frage gestellt. Nun soll es der starke Franken richten. Nur wird das nicht reichen, Herr Neinhaus. Die Tatsache, dass die Wirtschaft auf Hochtouren arbeitet und weder genügend Material, noch genügend Arbeitskräfte findet, dafür aber… Weiterlesen »