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Schindler von Lockdowns in China gebremst

(Zusammenfassung; Wiederholung mit Schlusskurs)

Zürich (awp) - Die Lockdowns in China und die rasch steigende Inflation machen dem Lifthersteller Schindler das Leben schwer. Dem will der Konzern jetzt mit Preiserhöhungen und der Abarbeitung des Auftragsbestands entgegenwirken.

Sieben Wochen hat der Lockdown im Produktionswerk von Schindler in Shanghai gedauert. Und auch die Standorte in Henan und Zhejiang waren von der strengen Covid-Politik in China betroffen.

"China dämpft im ersten Semester die sonst gute Entwicklung im Rest der Welt", sagte Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Silvio Napoli am Freitag an einer Telefonkonferenz. Ausser in China stiegen die Neuinstallationen in allen Regionen, am stärksten in Amerika.

Beim Auftragseingang ist es bei den Neuinstallationen aber in allen Märkten zu einem Rückgang gekommen. Der Auftragsbestand stieg per Ende Juni dennoch um 6,6 Prozent auf 10,3 Milliarden Franken und erreicht damit gemäss Schindler einen neuen Meilenstein.

Bei der Abarbeitung der Aufträge hinkte Schindler nämlich bereits im ersten Quartal hinterher. Damit gehe es nun aber voran. "Wir sind zuversichtlich die bestellten Produkte ausliefern zu können", sagte Finanzchef Urs Scheidegger.

Lieferkettenprobleme belasten

Die Unsicherheiten in den Lieferketten halten Schindler zusätzlich auf Trab. "Unsere Lieferzeiten sind von circa 20 Wochen auf rund 60 Wochen angestiegen", so Napoli. Die Zahl der pünktlichen Lieferungen habe ebenfalls spürbar nachgelassen. Aktuell erfolgten etwa die Hälfte der Lieferungen pünktlich. Im Normalfall seien es 90 Prozent.

Um in Zukunft wieder öfters pünktlich liefern zu können, hat Schindler den Lagerbestand erhöht. "Wir nutzen unsere Chance und kaufen Materialien, wenn sie verfügbar sind", sagte Scheidegger. Zudem will sich das Unternehmen bei den Lieferketten auf regionale Anbieter konzentrieren.

Neben der Umstellung der Lieferketten plant Schindler weitere Preiserhöhungen, um die rasch steigende Inflation auszugleichen. Dieses Jahr führte der Lift- und Rolltreppenhersteller bereits zwei Steigerungen durch - überall ausser in China. Aber das Unternehmen plant weitere Preiserhöhungen in allen Regionen und Produktlinien.

Ausblick nach unten korrigiert

Die Steigerungen bräuchten aber Zeit, um zu wirken. Der Konzern rechnet deshalb damit, dass die nachlassende Wachstumsdynamik anhalten wird. Schindler korrigierte die Umsatzerwartung auf -2 bis +2 Prozent nach zuvor +1 bis +6 Prozent. Zudem wird ein Gewinn zwischen 620 und 660 Millionen Franken erwartet.

Im ersten Halbjahr 2022 sank der Umsatz um 2,4 Prozent auf 5,35 Milliarden Franken. Gelitten hat auch die Profitabilität. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT sank um rund einen Drittel auf 403 Millionen Franken. Die entsprechende Marge betrug 7,5 Prozent gegenüber 11,1 Prozent im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich resultierte noch ein Gewinn von 296 Millionen Franken, rund 35 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2021.

Napoli hofft darauf, dass der Betriebsgewinn im zweiten Halbjahr höher ausfallen wird. Die Anleger scheinen dagegen nicht sehr zuversichtlich zu sein. Schindler PS gaben am Freitag um 3,9 Prozent nach.

kae/tv