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Aktien Europa: Deutliche Verluste - Zölle treffen EU hart

PARIS/LONDON/ZÜRICH (awp international) - Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Donnerstag mit deutlichen Verlusten auf die Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert. Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets sprach sogar vom Beginn eines Handelskrieges. "Besonders hart hat es die Europäischen Union getroffen", fügte Henke hinzu. "Die Angst vor einer Rezession ist seit gestern Abend deutlich grösser geworden."

Der EuroStoxx 50 sank am Mittag um 2,3 Prozent auf 5.183,09 Punkte. Ausserhalb des Euroraums sah es ebenfalls trist aus. Der Schweizer SMI fiel um zwei Prozent auf 12.344,32 Punkte. Mit dem britischen FTSE 100 ging es um 1,26 Prozent auf 8.500,12 Punkte nach unten.

Experten betonten die grosse Unsicherheit an den Finanzmärkten. "Mit diesen einseitigen Zollerhöhungen verlassen die USA die multilaterale Handelsordnung", betonte Jan Viebig, Chief Investment Officer bei der Privatbank Oddo BHF. "Aufgrund der Höhe der beschlossenen Zölle beschwört Trump Risiken für die Weltwirtschaft herauf, die sich aus heutiger Sicht nicht verlässlich abschätzen lassen."

Die Entwicklung der Einzelsektoren spiegelte dies wider. Unter Druck standen vornehmlich die Leidtragenden der US-Zollpolitik. So gaben Luxuswerte noch deutlich stärker nach als der Gesamtmarkt. Richemont verloren 5,8 Prozent und EssilorLuxottica sanken um 6,4 Prozent. Technologiewerte litten zudem unter der nachbörslichen Schwäche der entsprechenden US-Titel. So gaben ASML um 4,3 Prozent nach.

Ungleich besser hielten sich defensive Branchen, die nicht oder nur bedingt von den US-Zöllen betroffen sind. Gefragt waren Versorger und Nahrungsmittelwerte. Noch mehr zogen nur die Immobilienaktien an, die mit ihrer Orientierung an Europa ebenfalls nicht unter Zöllen leiden. Sie profitierten auch von sinkenden Zinsen an den Anleihemärkten.

Die gute Entwicklung der Pharmawerte beruhte darauf, dass pharmazeutische Produkte erst einmal von den Zöllen ausgeschlossen bleiben, so Experten. Am Vortag noch war die Gesundheitsbranche europaweit unter Druck gekommen, weil befürchtet wurde, dass auch sie Opfer der US-Zollpolitik werden könnte.

Ausnahme war die Aktie von Roche , die am Donnerstag um 2,6 Prozent nachgab. Die Basler hatten einen Forschungs-Fehlschlag mit dem MS-Präparat Ocrevus vermeldet. Dies schürte bei Analysten die Sorge, dass Roche das Patent für seinen Blockbuster kaum noch über 2028/29 hinaus verlängern kann./mf/mis