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Trumps Zollhammer belastet Finanzmärkte - Ölpreis auf Talfahrt

FRANKFURT (awp international) - Das gewaltige Zollpaket der US-Regierung und damit verbundene Konjunktursorgen haben die Finanzmärkte am Donnerstag kräftig unter Druck gesetzt. Am Frankfurter Aktienmarkt fiel der Dax zum Handelsauftakt auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Im Nachmittagshandel ging es um etwa zwei Prozent auf knapp 22.000 Punkte nach unten. Zuvor gab es bereits deutliche Kursverluste an den Aktienbörsen in Asien. Starke Verluste gab es auch bei den Ölpreisen, während die Flucht in sicherer Anlagehäfen den Goldpreis auf ein weiteres Rekordhoch trieb.

An den Märkten zeigten sich die Sorge um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft, die nach einem gewaltigen Zollpaket der US-Regierung an Schwung verlieren könnte. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump vom Vorabend ist der bislang aggressivste und folgenreichste Schritt im Zuge der ohnehin rabiaten Handelspolitik des US-Präsidenten. Ein Handelskrieg mit der EU und anderen Staaten scheint unausweichlich.

Zu den stärksten Verlierern am Markt zählte der US-Dollar, der nach dem Zollhammer zu allen anderen wichtigen Währungen unter Druck stand. Im Gegenzug konnte der Euro deutlich zulegen. Zeitweise stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 1,1144 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr. "Bemerkenswert bleibt, dass der US-Dollar nicht als sicherer Hafen profitiert", kommentierten Experten der Dekabank. Vielmehr konnten die Kurse vom Euro und vom japanischen Yen aufwerten. "Offenbar sehen Anleger vor allem Risiken für die USA."

Besonders starke Reaktionen auf die aggressive Zollpolitik zeigte sich auch am Ölmarkt. Hier reagierten die Notierungen mit einem deutlichen Rückgang auf das gewaltige Zollpaket der US-Regierung. Zudem hat Ölverbund Opec+ begonnen, die Fördermenge zu erhöhen. Die Ölpreise weiteten ihre frühen Verluste nach der Mitteilung der Opec deutlich aus und beschleunigten ihre Talfahrt am Nachmittag. Ein Barrel der Sorte Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel zuletzt um 4,23 Dollar auf 70,72 Dollar.

Generell zeigte sich eine starke Nachfrage nach Anlagen, die als vergleichsweise sicher gelten. Der Goldpreis konnte aber nur zeitweise am Morgen von den Konjunktursorgen profitieren und erreichte bei 3.167,84 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm) ein Rekordhoch. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Spekulationen auf das US-Zollpaket den Goldpreis von einem Rekordhoch zum nächsten getrieben, sodass im Handelsverlauf am Donnerstag Gewinnmitnahmen einsetzen, die den Goldpreis wieder auf 3.070 Dollar drückten.

Dagegen blieb die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen im Handelsverlauf hoch. Im Gegenzug ging es mit den Renditen deutlich nach unten. Bei deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fiel die Rendite um 0,08 Prozentpunkte auf 2,63 Prozent. Noch deutlicher ging es mit den Renditen für britische Staatsanleihen nach unten. Grossbritannien ist bei den angekündigten US-Zöllen vergleichsweise glimpflich davon gekommen.

Zu den vergleichsweise riskanten Anlagen, die nach dem US-Zollhammer unter Druck geraten sind, zählte zudem der Bitcoin. Auch die älteste und bekannteste Kryptowährung geriet unter Druck, der Kurs fiel in Richtung 80.000 Dollar. Hinzu kommt, dass US-Präsident Trump die Erwartungen der Bitcoin-Anhänger auf Deregulierung und den Aufbau eine Bitcoin-Reserve nur zu einem geringen Teil erfüllt. Im Zuge der Amtseinführung von Trump war der Bitcoin im Januar auf ein Rekordhoch über 109.000 Dollar gestiegen./jkr/jsl/he