FRANKFURT (awp international) - Den Kursrutsch am Vortag infolge der weltweiten US-Zölle haben die Anleger auch am Freitag noch nicht verdaut. Eine Erholung am Aktienmarkt bleibt vorerst aus und auch von einer Stabilisierung kann keine Rede sein. So verlor der Dax in der ersten Handelsstunde 1,02 Prozent auf 21.497 Zähler.
Etwa die Hälfte seiner imposanten Rekordrally seit Mitte Dezember ist dahin. Trumps unerwartet aggressive Zoll-Pläne bedrohten die optimistischen Gewinnprognosen für die Dax-Unternehmen, hiess es von der Commerzbank.
Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank am Freitag um 1,26 Prozent auf 26.536 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,1 Prozent.
In den USA fand am Vortag nach den globalen Zöllen ihres Präsidenten Donald Trump ein Ausverkauf an den Börsen statt. Das New Yorker Leitbarometer Dow Jones Industrial stürzte wieder auf das tiefste Niveau seit September 2024 ab. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes erwischte es noch schlimmer.
An den Märkten sei nach den Zollankündigungen ein Szenario gespielt worden, in dem die Furcht vor kräftiger konjunktureller Abschwächung deutlich stärker gewesen sei als vor Inflation, schrieben die Anlage-Strategen des Vermögensverwalters DWS. Der Dollar habe auf breiter Front verloren, ein Zeichen dafür, dass die USA in diesem Fall Teil des Problems seien, und nicht Teil einer möglichen Lösung.
Am Nachmittag kommen aus den USA die Arbeitsmarktdaten für den Monat März. Diese dürften von den politischen Geschehnissen in den USA überlagert werden, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Marktes. "Anleger werden zumindest aber darauf achten, wie viele Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst gestrichen wurden und welche Auswirkungen das auf die Arbeitslosenquote haben wird. Alle zukünftigen Daten werden nun nach Hinweisen auf eine Rezession untersucht."
Am deutschen Aktienmarkt waren Banken im Umfeld fallender Marktzinsen erneut sehr schwach. Deutsche Bank rutschten am Dax-Ende um 6 Prozent ab, Commerzbank folgten mit minus 4,8 5 Prozent. Defensive Werte legten angesichts der Unsicherheit am Markt zu: Beiersdorf verbuchten auf Platz eins im Dax Gewinne von 3,3 Prozent.
Beim Ringen um eine mögliche Übernahme des Verpackungsherstellers Gerresheimer schrumpft Kreisen zufolge die Zahl möglicher Bieter immer weiter. Die Beteiligungsgesellschaft KKR habe das zusammen mit Warburg Pincus gebildete Konsortium verlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das sei eine negative Nachricht, sagte ein Händler. Gerresheimer fielen am MDax-Ende um mehr als 11 Prozent.
Redcare gewannen unter den MDax-Favoriten nach der Bekanntgabe vorläufiger Quartalszahlen 1,5 Prozent. Die Online-Apotheke wuchs im ersten Jahresviertel kräftig. Dabei profitierte das Unternehmen weiter von einem starken Anstieg im Geschäft mit dem elektronischen Rezept, insbesondere in Deutschland./ajx/mis