Zürich (awp) - Der Handel am Schweizer Aktienmarkt verläuft am Freitagvormittag bei negativer Tendenz in ruhigen Bahnen. Die Anleger verhielten sich vor den am Nachmittag erwarteten US-PCE Daten vorsichtig und wollten keine neuen Positionen vor dem Wochenende eingehen, heisst es am Markt. Dies auch weil am Montag die US-Börsen wegen des Labor Day-Feiertags geschlossen sind. Die Erwartungen, dass die US-Notenbank im September den Leitzins um 25 Basispunkte senken werde, seien sehr hoch, meint ein Händler mit Blick auf die US-Daten. "Daher gibt es auch das Potenzial für eine Enttäuschung." Zudem fehlten dem Markt andere Impulse, die eine neue Richtung einläuten könnten, sagt ein anderer Händler. So scheine die Lage bezüglich Ukrainekrieg oder US-Zöllen festgefahren zu sein. "Da wundert es eben auch nicht, wenn Anleger nach dem insgesamt erfreulichen Börsenmonat August auch einmal Gewinne mitnehmen", sagt ein Händler.
Allerdings könnte der um 14.30 Uhr aus den USA erwartete PCE-Deflator - das von der Notenbank Fed bevorzugte Inflationsmass - den Markt durchaus noch beleben. Denn dieses dürfte die Zinserwartungen merklich beeinflussen, heisst es. Derzeit wird am Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent eine Zinssenkung des Fed im September um einen Viertelpunkt erwartet. Kurz vorher, um 14.00 Uhr wird zudem die vorläufige Inflationsrate aus Deutschland publiziert. Danach gibt es noch Stimmungsindikatoren aus den USA, nämlich den Einkaufsmanagerindex aus Chicago und das Konsumentenvertrauen der Uni Michigan.
Der Leitindex SMI notiert um 11.10 Uhr 0,48 Prozent tiefer auf 12'160,99 Punkten. Der SLI, in dem derzeit 31 Titel enthalten sind, fällt um 0,54 Prozent auf 2003,41 Punkte und der breite SPI um 0,43 Prozent auf 16'884,00 Zähler. 28 der 31 SLI-Werte geben nach und nur drei legen zu.
Damit steuert der SMI aber trotzdem auf eine positive Monatsbilanz (+2,75%) zu. Ende Juli schloss der SMI bei 11'836 Punkten.
Die grössten Abschläge gibt es bei Swatch (-2,1%), die damit den grössten Teil der Gewinne vom Mittwoch wieder hergeben. Damals hatte sich CEO Nick Hayek an einem kurzfristig organisierten Analystencall positiv über das Geschäft des Uhrenkonzerns geäussert, was der Aktie zu einem kräftigen Kursgewinn verholfen hatte.
Die Aktien von Konkurrentin Richemont (-0,3%), die im Sog von Swatch ebenfalls zugelegt hatten, ermässigen sich zwar auch, aber deutlich weniger.
Unter den grössten Verlierern im SLI sind zudem die Banken UBS (-1,1%) und Julius Bär (-1,1%) sowie die zyklischen Kühne + Nagel (-1,0%), Adecco (-0,9%), Sika (-0,8%) und ABB (-0,7%) zu finden. Trotz Rekordkursen an der Nasdaq stehen auch Technologiewerte wie VAT (-1,9%) und Logitech (-0,8%) sowie am breiten Markt Comet (-1,4%), Inficon (-1,5%) und AMS Osram (-2,1%) auf den Verkaufszetteln. Ein Händler meint dazu, hier könnten sich trotz allem die US-Zollsorgen ein wenig manifestieren.
Aber auch Swiss Life (-0,8%), die in schwierigen Zeiten gerne angesteuert werden, können sich dem Trend nicht entziehen. Dagegen halten sich Zurich (-0,1%) und Swiss Re (-0,2%) etwas besser. Ebenfalls schwächer tendieren die Schwergewichte Nestlé (-0,2%), Roche GS (-0,5%) und Novartis (-0,6%).
Die wenigen Gewinner stammen mit Swisscom (+0,4%), Sonova (+0,2%) und den PS von Lindt & Sprüngli (+0,3%) aus dem defensiven Bereich.
Auf den hinteren Reihen fallen Santhera (+1,3%) positiv auf. Die Biotechfirma hat eine weitere Vertriebsvereinbarung (Indien) für ihr Mittel gegen DMD abgeschlossen.
SoftwareOne (+3,9%) machen einen Teil der Vortagesverluste nach Zahlenvorlage wett. Zudem hat die ZKB das Rating "Übergewichten" bestätigt.
Etwas höher notieren zudem Aktien mit einem "Rüstungsanstrich" wie Montana Aerospace (+0,4%) und Cicor (+1,9%).
Gefragt sind auch TX Group (+0,7%). Hier positionierten sich die Anleger vor dem erwarteten Börsengang der Swiss Marketplace Group (SMG), heisst es.
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