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Preisüberwacher einigt sich mit Inserat-Plattformen auf neue Preise

(Zusammenfassung)

Zürich/Bern (awp) - Der Schweizer Preisüberwacher hat sich erstmals einvernehmlich mit grossen Schweizer Online-Inserateplattformen auf neue Preisregeln geeinigt. Diese gelten spätestens ab April und sollen klarere Preise, bessere Vergleichbarkeit und teils tiefere Kosten bringen.

Betroffen sind die Immobilienportale der SMG Swiss Marketplace Group - darunter Homegate.ch und ImmoScout24.ch - sowie dessen Marktplatz Ricardo, wie der Preisüberwacher am Dienstag mitteilte. Die Vereinbarungen sind bis Ende März 2029 befristet.

Wiederholte Beschwerden

Auslöser für den Deal waren wiederholte Beschwerden von Inserentinnen und Inserenten über komplexe und wenig nachvollziehbare Preismodelle, insbesondere im Immobilienbereich. Der Preisüberwacher stellte dort eine hohe Komplexität und eingeschränkte Preistransparenz fest, wie aus dem publizierten Regelungstext hervorgeht.

Kern der Einigung im Immobiliengeschäft ist ein neues Vermarktungspaket namens "Flex Offer". Für eine monatliche Grundgebühr von 44 Franken sowie eine einmalige Insertionsgebühr pro Inserat - 505 Franken für Kaufobjekte und 370 Franken für Mietobjekte, jeweils ohne Mehrwertsteuer - können Inserate zeitlich unbegrenzt auf Plattformen wie Homegate oder ImmoScout24 aufgeschaltet werden. Nach Einschätzung des Preisüberwachers eröffnet das neue Modell in vielen Fällen ein deutliches Einsparpotenzial und erleichtert die Budgetplanung für Makler und private Anbieter.

Auch auf Ricardo sollen Verkäuferinnen und Verkäufer entlastet werden. Dort stehen die Erfolgsgebühren im Fokus. Künftig gewährt die Plattform unter anderem einen Rabatt von zehn Prozent auf die Gebühren bei bestimmten Auktionsformaten, etwa bei Auktionen mit einem Startpreis von einem Franken.

Zusätzlich profitieren gewisse Grosskunden mit einem Jahresumsatz ab 100'000 Franken von einem Nachlass in gleicher Höhe. Der Preisüberwacher erwartet dadurch spürbare Einsparungen auf Seiten der Verkäuferschaft.

Bessere Kostenkontrolle

Preisüberwacher Stefan Meierhans erklärte, die Verhandlungen seien intensiv gewesen. Die Einigung bringe eine verbesserte Transparenz, die den Kundinnen und Kunden mehr Flexibilität und eine einfachere Kostenkontrolle ermögliche.

Die SMG betonte in einer Stellungnahme, dass sie die Vereinbarung ohne Anerkennung eines missbräuchlichen Verhaltens abgeschlossen habe. Man erhalte nun aber Rechtssicherheit für die kommenden drei Jahre. Die Einigung habe keinen Einfluss auf die finanziellen Ziele sowie die Wachstums- und Profitabilitätsprognosen des Unternehmens.

SMG prägt digitalen Alltag

SMG prägt mit seinen Plattformen den digitalen Alltag in der Schweiz. Im Immobiliengeschäft liegt der Marktanteil bei rund 70 bis 75 Prozent, auch bei Autos und Kleinanzeigen dominiert die Gruppe.

2024 erzielte das Unternehmen 291 Millionen Franken Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 48 Prozent, im ersten Halbjahr 2025 stieg diese auf über 54 Prozent. Im September war das Unternehmen an die Schweizer Börse gegangen und kam dabei auf eine Marktkapitalisierung von über 4,7 Milliarden Franken. Es war zu jenem Zeitpunkt der grössten Börsengang des Jahres in Europa.

Neben dem Preisüberwacher führte zuletzt auch die Wettbewerbskommission (Weko) Abklärungen durch. Die Vorwürfe umfassten unter anderem missbräuchliche Preiserhöhungen oder eine zu dominante Marktstellung. SMG betonte stets, regelmässig mit den Behörden im Austausch zu stehen und im Einklang mit den Vorschriften zu handeln.

to/rw