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Aktien Schweiz: An neuem Rekordhoch abgeprallt - Angst vor der eigenen Courage

Zürich (awp) - Nach neuen Kursrekorden im frühen Handel hat der Mut die Anleger an der Schweizer Börse am Dienstag bis zum Mittag bereits wieder verlassen. Am Vorabend hatte an der Wall Street der Dow Jones ein neues Allzeithoch markiert, Anleger setzten vor allem auf Ölwerte. Gleichzeitig bestätigte das Plus an der Nasdaq die risikofreudige Marktstimmung der US-Anleger.

Hierzulande hätten die Anleger aber nun doch "etwas Angst vor der eigenen Courage" bekommen, sagten Händler mit Blick auf die wieder abbröckelnden Kurse. Insgesamt sei die Reaktion der Märkte auf die Entwicklungen in Venezuela aber gelassen ausgefallen, hiess es. Das spiegle den jüngsten Trend wider, geopolitische Unsicherheiten weitgehend zu ignorieren und sich auf fundamentale Treiber zu konzentrieren. Im Hintergrund wirke die Hoffnung auf Zinssenkungen der US-Notenbank als Unterstützung für die Aktienmärkte.

Der SMI steht um 11 Uhr 0,11 Prozent tiefer bei 13'232,79 Punkten, das neue Allzeithoch bei 13'289,96 Zählern wurde in den ersten Handelsminuten erreicht. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verliert 0,04 Prozent auf 2150,07 und der breite SPI 0,10 Prozent auf 18'223,53 Punkte. Gewinner und Verlierer halten sich in etwa die Waage.

Entsprechend dem zuletzt sinkenden Risikoappetit sind am Dienstag insbesondere defensive Werte gesucht. Bei den defensiven Schwergewichten etwa gleichen die Pharmawerte Novartis (+1,1%) und Roche (+0,7%) die Abgaben bei Nestlé (-0,8%) mehr als aus. Bei letzteren belasten unter anderem die jüngsten Berichte über den Rückruf von Babynahrung.

Gekauft werden auch einige Stars des vorigen Börsenjahrs: Galderma etwa ziehen um 1,6 Prozent an, Sandoz um 2,3 Prozent. Aber auch die in 2025 schwach gelaufenen Gesundheitsaktien von Straumann (+3,4%), Lonza (+1,3%), Sonova (+0,8%) und Alcon (+1,0%) landen in den Depots der Anleger.

Letztere dürften am Nachmittag in den Fokus rücken. Denn um 14.30 Uhr MEZ startet die ausserordentliche Generalversammlung der US-Medtech-Firma Staar Surgical zur geplanten Übernahme durch den Augenheilkonzern. Zuletzt hatte Alcon das ursprüngliche Angebot nachgebessert.

An einem an Nachrichten eher armen Tag erhalten Analystenvoten noch mehr Gewicht. So hat JPMorgan die Bewertung für Schindler (+0,7%) mit "Overweight" wieder aufgenommen. Und dass Barclays sein Votum "Underweight" für ABB bestätigt hat, drückt die Papiere um 2,0 Prozent.

Verkauft werden auch Finanzwerte: UBS büssen 1,1 Prozent ein, Helvetia Baloise 1,1 Prozent, Julius Bär 1,3 Prozent und Partners Group 0,4 Prozent. Im Technologiesegment bauen Logitech (-1,4%) die jüngsten Abgaben aus.

Holcim sorgen derweil mit News für Gesprächsstoff, hat doch der Baustoffkonzern die Übernahme der französischen Alkern unter Dach und Fach gebracht. Der Deal steuert rund 250 Millionen Euro zum Jahresumsatz bei. Die Holcim-Papiere büssen gleichwohl 0,1 Prozent ein. Marktbeobachter gehen von Gewinnmitnahmen aus und verweisen auf die Performance von 75 Prozent im Vorjahr.

Auch im breiten Markt sind es vor allem Analystenvoten, die für Bewegung sorgen. Bucher etwa - die Papiere büssen deutliche 4,2 Prozent ein - wurde von der UBS auf "Neutral" von zuvor "Buy" gesenkt. Und Zehnder (+1,0%) wurde von Berenberg mit "Buy" neu eingestuft.

Auch bei den kleineren Werten sind Gesundheitsaktien wie Tecan (+3,4%), Ypsomed (+2,0%) oder Siegfried (+1,2%) gefragt. Auf der anderen Seite trennt man sich von Chipwerten wie Comet (-2,0%) oder Inficon (-1,0%).

Einen Kurssprung von 12,5 Prozent tätigen die Papiere der Swiss Marketplace Group. Der Schweizer Preisüberwacher hat sich erstmals einvernehmlich mit grossen Schweizer Online-Inserateplattformen auf neue Preisregeln geeinigt, was positiv aufgenommen wird. Händler sehen ausserdem nach der schwachen Kursentwicklung seit dem Börsengang nun eine gute Einstiegsgelegenheit.

ra/uh