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SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr gründet 2027 eigene Firma

(Text nach MK durchgehend ausgebaut)

Zürich (awp/sda) - Drei Legislaturen sind genug: Die Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr hat entschieden, bei den Wahlen am 4. April 2027 nicht mehr anzutreten. Dann will sie eine Firma gründen, das "Büro für Lösungen".

"Mit 64 Jahren kann ich noch etwas Neues anfangen, mit 68 eher nicht", sagte Fehr am Dienstag vor den Medien. Deshalb habe sie entschieden, bei den Wahlen 2027 nicht mehr anzutreten. Sie habe die anderen Regierungsmitglieder und ihre Mitarbeitenden bereits am Dienstag Morgen über ihren Entscheid informiert.

Für die Zeit nach ihrem Regierungsamt hat die heute 62-Jährige schon konkrete Pläne. Sie habe an der Universität Freiburg eine Mediations-Ausbildung absolviert und wolle nun eine eigene Firma gründen, das "Büro für Lösungen". Ihr Ziel ist, für Gemeinden und Institutionen runde Tische zu leiten und "Prozesse zu entwirren".

SP will mit zwei Kandidierenden antreten

Die Webadresse ist bereits reserviert. Die konkrete Firmengründung muss jedoch bis zum Ende ihrer Amtsdauer warten, weil amtierende Regierungsmitglieder keine Firmen gründen dürfen. "Nun freue ich mich aber zuerst auf meine letzten eineinhalb Jahre als Regierungsrätin." Sie werde sich weiter mit voller Kraft einsetzen.

Der Zeitpunkt ihre Kommunikation hat gemäss eigenen Aussagen nichts mit aktuellen Vorkommnissen zu tun. "Ich wollte meinen Entscheid früh genug kommunizieren, damit der Fokus danach wieder auf den kommunalen Wahlen 2026 liegen kann." So habe die Partei ausreichend Zeit, Kandidierende zu finden und zu nominieren.

Der Zeitplan der SP steht bereits fest: In den kommenden Tagen wird die Nachfolge ausgeschrieben. Gemäss Co-Präsidentin Michèle Dünki-Bättig will die SP mit zwei Kandidierenden antreten. Anfang Juli werden diese nominiert.

"Politische Laufbahn ein Geschenk"

Die SP will also wieder mit zwei Regierungsmitgliedern vertreten sein. Aktuell ist Jacqueline Fehr die einzige Sozialdemokratin, weil ihr früherer Parteikollege Mario Fehr im Juni 2021 aus der Partei austrat und seither als Parteiloser regiert.

Einen solchen Schritt schliesst Jacqueline Fehr für sich kategorisch aus. "Ich bin stolze Sozialdemokratin und werde es immer bleiben." Ohne die Unterstützung ihrer Partei wäre sie nie so weit gekommen. "Eine solche politische Laufbahn ist ein Geschenk."

Neues Haftregime

In ihren drei Legislaturen als Justizdirektorin richtete sie unter anderem die Untersuchungshaft neu aus, so dass das rigide Zürcher Haftregime für viele Insassen gelockert wurde. Sie liess zudem die Hintergründe der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen erforschen.

Fehr machte jedoch auch immer wieder Negativschlagzeilen, zuletzt etwa mit dem Datenleck. Die falsche Entsorgung von Datenträgern passierte zwar vor ihrer Zeit als Justizdirektorin, gemäss Untersuchungsbericht war ihre Kommunikation jedoch mangelhaft.

Die ausgebildete Pädagogin verbrachte beinahe ihr gesamtes Berufsleben in der Politik. 1990 holte sie einen Sitz im Winterthurer Gemeinderat, bereits im Jahr darauf wurde sie in den Zürcher Kantonsrat gewählt. 1998 rückte sie in den Nationalrat nach, wo sie 17 Jahre bleiben sollte.

In dieser Zeit erarbeitete sich die gut vernetzte Berufspolitikerin eine einflussreiche Position. Im Jahr 2009 wurde sie von der "SonntagsZeitung" gar zur "einflussreichsten Person des Parlaments" gewählt. 2010 wollte sie in den Bundesrat, unterlag jedoch Simonetta Sommaruga.