(Meldung mit weiteren Angaben und Hintergrundinformationen ergänzt)
Vernier (awp) - Der Genfer Augenheilkunde-Konzern Alcon kann Staar Surgical nicht übernehmen. Die Gegenwehr aus Aktionärskreisen des auf implantierbare Linsen spezialisierten US-Unternehmens war letztendlich zu gross.
Nach mehrmaligem Verschiebungen hätten die Aktionäre von Staar am Dienstag an einer ausserordentlichen Generalversammlung über das aufgebesserte Kaufangebot von Alcon abstimmen müssen. Doch bereits im Vorfeld der Versammlung zeichnete sich ab, dass das Vorhaben chancenlos ist.
Vorläufige Schätzungen eines Stimmrechtsberaters hätten ergeben, dass die für den Verkauf von Staar an Alcon notwendigen Ja-Stimmen nicht hätten erreicht werden können, teilte Staar am Dienstagnachmittag mit. Daher werde Staar den Fusionsvertrag mit Alcon kündigen.
Gegenwehr von Grossaktionären
Damit kommt ein langer Übernahmeprozess zu einem abrupten Ende. Bereits im August hatte Alcon mit dem Staar-Management den Kauf der US-Firma zu einem Preis von 28 US-Dollar je Aktie in bar vereinbart. Beide Verwaltungsräte hatten sich einstimmig für das Vorhaben ausgesprochen.
Die Pläne von Alcon und Staar stiessen aber bald auf Gegenwehr aus dem Staar-Aktionariat. Allen voran Grossaktionär Broadwood Partners stellte sich dagegen und erhielt von weiteren Aktionären Unterstützung. Die Transaktion schaffe weniger Wert als andere Alternativen, hiess es etwa.
Auch Stimmrechtsberater wie ISS riefen das Staar-Aktionariat dazu auf, gegen die Übernahme der Gesellschaft zu stimmen. Aufgrund der unsicheren Ausgangslage wurden mehrere im Herbst geplante Versammlungen auf später verschoben.
Milliardenübernahme scheitert
Kritisiert wurde von den Aktionären auch das Übernahmeprozedere. Die vorgeschlagene Transaktion sei das Ergebnis eines "ungünstigen Zeitpunkts, eines fehlerhaften Verfahrens und erheblicher Interessenkonflikte", hatte es auch geheissen.
Vor diesem Hintergrund wurde der Staar-Vorstand Anfang November dazu ermächtigt, nach anderen Käufern Ausschau zu halten. Diese Bemühungen blieben ohne Erfolg und so besserte Alcon das Angebot Anfang Dezember auf, um es den Kritikern schmackhaft zu machen.
Seither bot Alcon 30,75 Dollar je Staar-Aktien. Durch diese Anpassung erhöhte sich der Gesamtkapitalwert der Transaktion von rund 1,5 Milliarden auf etwa 1,6 Milliarden Dollar.
Alcon-Aktie legt zu
Staar werde als eigenständiges Unternehmen an der US-Techbörse Nasdaq kotiert bleiben, hiess es am Dienstag weiter. Die von Staar beschlossene Aufkündigung der Vereinbarung habe für keine der beiden Parteien finanzielle Folgen. Es müssten keine Kündigungszahlungen geleistet werden.
"Wir respektieren die Meinung der Aktionäre und werden mit ihnen das bestmögliche Ergebnis als eigenständige Firma erzielen", wird Firmenchef Stephen Farrell in der Mitteilung zitiert. Das Ziel bleibe es, den Aktionärswert zu maximieren und das volle Potenzial von Staar auszuschöpfen.
An der Börse ging es für die Aktien von Staar zunächst aber nach unten. Gegen 16.10 Uhr verloren die Titel zu Börsenauftakt an der Nasdaq gut 12 Prozent auf 20,95 Dollar. Demgegenüber rücken die Alcon-Papiere an der Schweizer Börse vor und notieren mit 2,6 Prozent im Plus.
mk/jb