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Nestlé-Rückruf von Babynahrung macht weniger als 0,5% am Umsatz aus

(Ergänzt mit Stellungnahme von Foodwatch in den letzten drei Abschnitten)

Vevey VD (awp) - Bei Nestlé hat eine der grössten Rückrufaktionen der Firmengeschichte keine grossen finanziellen Auswirkungen: Der Rückruf von Chargen von Babynahrung in über 30 Ländern mache deutlich weniger als 0,5 Prozent des Jahresumsatzes des Lebensmittelkonzerns aus, teilte das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage mit.

Deshalb seien keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen für die Gruppe zu erwarten, hiess es weiter. Insgesamt ruft der Lebensmittelhersteller Babynahrungsprodukte in 31 Ländern zurück, davon sind 27 in Europa.

Zu den vom Rückzug betroffenen Ländern zählen laut Nestlé Märkte wie die Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien oder Österreich. Aber auch in Argentinien, Mexiko und Peru oder in Hongkong musste der Konzern die Babynahrung zurückrufen.

Am Vortag hatte Nestlé bekannt gegeben, Säuglingsnahrung, die mit Gift belastet sein könnte, zurückzurufen. Betroffen sind die bekannte Marke Beba sowie Spezialprodukte wie Alfamino. Eltern wurden von Nestlé dazu aufgefordert, die Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.

Keine Krankheitsfälle bestätigt

Krankheitsfälle im Zusammenhang mit dem Verzehr seien bislang nicht bestätigt, bekräftigte Nestlé am Dienstag. "Wenn keine Symptome auftreten, besteht kein Grund zur Sorge hinsichtlich gesundheitlicher Auswirkungen." Mögliche Symptome seien starkes oder anhaltendes Erbrechen, Durchfall oder ungewöhnliche Lethargie, die in der Regel zwischen 30 Minuten und 6 Stunden nach dem Verzehr auftreten.

Ursache sei ein technischer Reinigungsdefekt in einem Zulieferbetrieb, durch den es im Dezember zu einer Verunreinigung eines Öls, das als Inhaltsstoff verwendet wird, gekommen sei.

Foodwatch: Rund 60 Länder betroffen

Laut der in mehreren Staaten tätigen Konsumentenschutzorganisation Foodwatch dürften von der Rückrufaktion rund 60 Länder betroffen sein. Dies erklärte die Nichtregierungsorganisation in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur AWP unter Berufung auf eine Meldung des europäischen Warnnetzwerks. Dazu gehören insbesondere die Ukraine, Russland, Südafrika, Jordanien, Pakistan, Kasachstan, Malaysia, Vietnam und China.

Foodwatch kritisierte die spärliche Informationspolitik von Nestlé: Im Dezember seien bei der Rückrufaktion von Babynahrung wegen des Giftstoffs Cereulid erst neun Länder betroffen gewesen. Und nun seien es rund 60. Foodwatch warf Nestlé verspätete Rückrufe in vielen Ländern vor.

Zudem kritisierte die NGO die niederländischen Behörden, die für die Babynahrungsfabrik von Nestlé in den der Nähe von Amsterdam zuständig seien. Die Produkte aus der Fabrik würden in circa 140 Länder exportiert, erklärte Foodwatch.

jb/mk