(Zusammenfassung)
Bern (awp) - In der Schweiz warten viele Arbeitslose immer noch auf ihr Geld. Der Wechsel auf das neue IT-System ASAL 2.0 war mit erheblichen Störungen verbunden und hat zu Verzögerungen bei der Zahlung von Taggeldern geführt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verspricht Besserung, doch noch sind längst nicht alle Rückstände aufgearbeitet.
Am 6. Januar hat das Seco das neue IT-System, dessen Entwicklung im Jahr 2016 lanciert worden war, "live" geschaltet. Dabei sei der Release von erheblichen technischen Problemen begleitet worden, sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, am Freitag vor den Medien. Zum Monatsende hin konnten Arbeitslosengelder für Januar nur verspätet oder noch gar nicht ausbezahlt werden.
Das Seco geht davon aus, dass bis Ende Januar rund 85 Prozent der erwarteten Auszahlungssumme an die Empfänger bezahlt wurden. Wie viele Personen konkret das Januar-Geld noch nicht erhalten haben, kann das Seco nicht beziffern.
Problemzone Neuanträge
Vom Zahlungsstau sind in erster Linie neu angemeldete Arbeitslose betroffen, für die der Anspruch auf Arbeitslosengelder abgeklärt werden muss. "Die Arbeitslosenkassen sind mit Hochdruck dabei, den Rückstau abzuarbeiten", versprach Cosandey. Bei bestehenden Bezügern von Arbeitslosengeldern verzögere sich die Auszahlung in der Regel um ein bis drei Arbeitstage.
Beim Seco bedauert man die Vorkommnisse sowie den Umstand, dass Personen in finanzielle Engpässe schlittern könnten. Nebst den Arbeiten am IT-System sowie schlankeren und schnelleren Prozessen beim Beurteilen von Neuanträgen, leisten die Arbeitslosenkassen in Notfällen auch Vorschusszahlungen.
"Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten zurück zu Normalität kommen", so Cosandey. Das neue IT-System müsse stabiler und vor neuerlichen Unterbrüchen geschützt werden. Zudem brauche es eine Verbesserung in der Performance und Geschwindigkeit des Systems. "Wir müssen sicherstellen, dass wir die Neuanträge möglichst rasch bearbeiten können."
Mit den IT-Problemen beim Seco befasst sich auch die parlamentarische Aufsicht. Die ständerätliche Geschäftsprüfungskommission (GPK-S) beauftragte die zuständige Subkommission mit Abklärungen, wie sie vor einer Woche mitteilte. Sie habe sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Projekt befasst und die früheren Arbeiten würden fortgeführt.
Arbeitslosenquote leicht gestiegen
Die Statistik zur Arbeitslosigkeit ist indes von den Problemen nicht betroffen, wie Cosandey versicherte. Im Januar ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz aufgrund saisonaler Faktoren leicht gestiegen. Am Monatsende waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) insgesamt 152'280 Personen als arbeitslos gemeldet. Gegenüber Dezember war das ein Plus von 3,4 Prozent.
In der Folge stieg die Arbeitslosenquote auf 3,2 Prozent nach 3,1 Prozent im Vormonat. Berücksichtigt man allerdings saisonale Faktoren, wie etwa dass im Winter Baustellen stillstehen, dann sank die saisonbereinigte Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent.
Bei den RAV suchen mehr Personen nach einer Stelle. Die Zahl der Stellensuchenden stieg im Januar um 2,0 Prozent auf 236'319 Personen. Zugleich nahmen die bei den RAV gemeldeten offenen Stellen um deutliche 36 Prozent auf 48'904 zu. Hauptgrund dafür ist, dass seit Anfang Jahr mehr Berufsgruppen der Stellenmeldepflicht unterliegen und die Firmen somit mehr offene Stellen bei den RAV melden müssen.
mk/hr