Newsticker

Finma-Direktor Walter: Schweiz im internationalen Vergleich unterreguliert

Zürich (awp) - Die Schweiz ist nach Einschätzung von Finma-Direktor Stefan Walter im internationalen Vergleich nicht über-, sondern unterreguliert. Walter widersprach entsprechenden Vorwürfen aus der Bankenbranche in einem am Freitag online publizierten Interview von "Finanz und Wirtschaft".

"Trotz der sogenannten Deregulierung, die wir in den USA und teils anderswo sehen, wäre die Schweiz auch künftig nicht überreguliert", sagte Walter. Insbesondere fehlten in der Schweiz Instrumente wie eine Bussenkompetenz für die Finanzmarktaufsicht, die in den meisten anderen Ländern etabliert sei.

Der Finma-Direktor verteidigte zudem die proportional ausgestaltete Aufsicht der Finma. Diese berücksichtigt laut eigenen Angaben verschiedene Faktoren wie Bedeutung und Geschäftsmodell des jeweiligen Finanzinstituts und ist entsprechend engmaschiger je grösser und relevanter das Institut ist.

Diese Verhältnismässigkeit gelte international als Vorbild, insbesondere mit Blick auf das Schweizer Kleinbankenregime mit vielen regulatorischen Erleichterungen. "Das kann man nicht vergleichen mit dem, was in den USA und oder selbst Europa abläuft", so Walter.

"Die Regulierung in der Schweiz ist sehr prinzipienbasiert und läuft über Verordnungen und Rundschreiben. Man muss da nicht ständig neue Gesetze schreiben", sagte Walter. Während man sich bei kleineren Instituten auf die externen Wirtschaftsprüfer verlassen könne, wolle die Finma bei grossen Banken wie der UBS künftig noch etwas mehr auf eigene "Vor-Ort-Kontrollen" setzen, sagte Walter weiter.

In der Diskussion um strengere Kapitalvorschriften für die UBS stellte Walter klar, dass die Finma keine pauschale Kapitalerhöhung fordere. Die vorgeschlagenen Massnahmen seien gezielt auf Probleme ausgerichtet, die sich beim Untergang der Credit Suisse gezeigt hätten, vor allem der Wertverlust der Auslandsbeteiligungen. Wie viel vom Risiko die Steuerzahler oder die Aktionäre der Bank tragen sollen, sei letztlich eine politische Frage.

sc/to