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Aktien Frankfurt: Dax von Ölpreisrally gezeichnet - Verluste reduziert

FRANKFURT (awp international) - Die Anleger schauen am deutschen Aktienmarkt weiterhin nervös auf die Entwicklung am Ölmarkt. Die zugespitzte Lage im Nahen Osten drückte den Dax am Montag im frühen Handel unter die Marke von 23.000 Punkten auf ein Zehnmonatstief. Der Druck liess allerdings nach, als eine Debatte über die Freigabe von Ölreserven losgetreten wurde.

Der Dax stand am Nachmittag bei 23.303 Zählern. Er konnte sein Minus, das im frühen Handel bis zu 2,8 Prozent gross war, damit auf 1,2 Prozent begrenzen. Der MDax fiel am Nachmittag um 2,1 Prozent auf 28.877 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büsste 1,4 Prozent ein.

Nachdem der Preis für ein Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent in der Nacht auf fast 120 Dollar hochgeschnellt war, wirkte ein Bericht der "Financial Times" entlastend, wonach die G7-Staaten über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven beraten sollen. Der Brent-Fasspreis kehrte daraufhin in Richtung der 100-Dollar-Marke zurück.

Laut den Experten des Bankhauses Metzler rückt eine diplomatische Lösung des Konflikts "immer weiter in die Ferne". Getrieben ist die Situation an den Ölmärkten von der Angst vor einer längeren Sperrung der Strasse von Hormus, die für den globalen Ölhandel von grosser Bedeutung ist. Im Fokus der Märkte stand auch, dass der Iran mit dem Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei einen neuen obersten Führer bestimmt hat.

Den Experten von Index-Radar zufolge preisen Investoren neben dem Szenario eines länger anhaltenden Konflikts auch die Sorge vor einem erneuten Inflationsimpuls durch steigende Energiepreise ein. In solchen Phasen lohne es sich, einen Schritt kürzerzutreten. Sie warnen aber vor Panik, die an der Börse "selten ein guter Ratgeber" sei. Die Experten setzen darauf, dass der Konflikt zeitnah entschärft oder zumindest so begrenzt wird, dass die Energiepreise wieder deutlich nachgeben.

Die vom Ölpreis ausgelösten Schwankungen zeigten sich am Montag in vielen energieintensiven Industriebranchen mit den üblichen Belastungen, während die Aktien grosser europäischer Ölkonzerne wie BP oder Shell gefragt waren. Stark unter Druck standen zum Beispiel Aktien aus dem Stahlsektor.

Auch in der Tourismusbranche bleibt die Angst der Anleger vor den Auswirkungen hoher Treibstoffpreise spürbar. Für die Aktien der Lufthansa ging es um fast sechs Prozent bergab auf ein Tief seit November. Dass die Barclays Bank ihr negatives Votum für die Fluggesellschaft aufgab, erleichterte nicht gross. Der Analyst hatte seine Studie noch vor der erneuten Ölpreisrally verfasst.

Gewinne erzielen konnten Anleger im Rüstungsbereich. Während es die Titel von Rheinmetall mit fast drei Prozent ins Plus schafften, fielen vor allem jene von Hensoldt mit einem Anstieg um 5,4 Prozent positiv auf. Sie wurden gestützt von einer Kaufempfehlung des Analysehauses Jefferies. Diese hatte der Experte Ben Brown damit begründet, dass die Jahresziele für den freien Finanzmittelfluss vor dem Hintergrund der hereinkommenden Aufträge aus Deutschland konservativ wirkten.

In der Rüstungsbranche schauten die Anleger am Montag auch auf ein durchwachsenes Börsendebüt des Unternehmens Gabler . Die Aktien des U-Boot-Zulieferers starteten mit 47,20 Euro über ihrem Ausgabepreis von 44 Euro. Nach einer Annäherung an die 50-Euro-Marke setzten aber schon Gewinnmitnahmen ein, die den Kurs zuletzt knapp unter den Zuteilungspreis drückten.

Aktien der Gea Group schlugen sich besser als der Dax, wie der zuletzt auf Vortagsniveau liegende Kurs zeigt. Mit den vorgelegten Resultaten habe der Maschinenbauer die zuvor veröffentlichten Eckdaten bestätigt, hiess es unter Analysten. Leicht positiv bewertet wurde die diesjährige Margen-Zielspanne, die im Mittelwert etwas über den Erwartungen liege.

Vollzogen wurde am Montag eine Umplatzierung in der Dax-Indexfamilie. Weder die Aktien des Autozulieferers Schaeffler noch jene des Werkzeugherstellers Einhell konnten jedoch von ihrem Aufstieg in den MDax beziehungsweise SDax profitieren. Die Wechsel stehen damit in Zusammenhang, dass der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen nicht mehr die Anforderungen an den Mindeststreubesitz erfüllt./tih/stk