(Ergänzt um die beiden letzten Abschnitte mit einer Reaktion von Künzli Swissschuh)
Zürich (awp) - Die Schuhmarke On hat ihren jahrelangen Streit mit den Behörden ums Schweizerkreuz für sich entschieden. On bestätigte am Montag auf Anfrage einen entsprechenden Medienbericht. Mit dieser Praxispräzisierung werde das Schweizerkreuz "demnach zu gegebener Zeit auf allen unseren Schuhen, auch jenen, die in der Schweiz verkauft werden, zu sehen sein".
Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) lockerte die Praxis und erlaubt künftig auch Firmen mit Entwicklung in der Schweiz und Produktion im Ausland die Nutzung unter Auflagen, wie die "Neue Zürcher Zeitung" am Montag berichtete.
Konkret passte das IGE demnach seine Auslegung der Swissness-Bestimmungen an. Unternehmen wie der Laufschuhhersteller On dürfen das Schweizerkreuz neu verwenden, sofern es etwa klar im Kontext von "Swiss Engineering" steht und strikten Vorgaben zur Platzierung und Grösse entspricht.
Der Entscheid folgt auf einen jahrelangen Streit zwischen On und den Behörden. Bisher war die Nutzung untersagt worden, weil weder 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfielen noch ein wesentlicher Produktionsschritt hier stattfand. Der Konflikt eskalierte 2025, als Schweizer Stellen in China gegen On vorgingen und dortige Behörden einschalteten.
Ein Rechtsstreit konnte letztlich vermieden werden. Die Schuhmarke On begrüsste in einer Mitteilung an Keystone-SDA die Praxispräzisierung. Diese sei Ausdruck eines zeitgemässen Verständnisses von Swissness und trage der Realität moderner Schweizer Wertschöpfung Rechnung. Die Stärke der Schweizer Volkswirtschaft liege nicht nur in der Produktion, sondern ebenso in Innovation, Forschung, Entwicklung und Design.
Seit der Unternehmensgründung vor 16 Jahren finde die gesamte Entwicklung, von Forschung und Design bis hin zur Innovation am Hauptsitz in Zürich statt, wo mehr als 1100 Mitarbeitende beschäftigt seien.
Laut IGE handelt es sich nicht um eine Sonderregel für On, sondern um eine Lösung für die gesamte Industrie.
Künzli Swissschuh prüft mögliche Rechtsmittel
Überrascht vom IGE-Entscheid zeigte sich am Montag die Künzli Swissschuh AG von Roberto Martullo. Obwohl auch Künzli vom Entscheid profitieren würde, werde man alle Rechtsmittel prüfen, um diesen Entscheid rückgängig zu machen.
Das IGE gebe mit einer "Lex On" "dem grossen Druck von On klein bei". Diese Praxis schade dem Schweizer Image im Ausland und vor allem dem in der Schweiz produzierenden Gewerbe. Diese neue Praxis öffne "Tür und Tor allen Firmen, die auch keinen Bezug zur Schweiz haben, das Schweizer Kreuz zu verwenden".
to/hr