Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag nach einer volatilen Sitzung deutlich im Minus geschlossen. Überschattet wurde das Marktgeschehen vom Ultimatum von US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg, das er im Tagesverlauf mit weiteren drastischen Drohungen untermalte.
Der US-Präsident hatte dem Iran in den vergangenen Tagen mit der "völligen Zerstörung" aller iranischen Kraftwerke und Brücken gedroht, falls Teheran nicht bis am frühen Mittwochmorgen um 2 Uhr Schweizer Zeit die Strasse von Hormus öffnet. Am Dienstag unterstrich Trump seine Drohungen: "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Risiken noch nicht eingepreist
Am Dienstagvormittag hatten an den Märkten offenbar noch immer eine Reihe von Anlegern auf einen Last-Minute-Deal des Iran mit den USA gesetzt. Je näher das von Donald Trump gestellte Ultimatum rücke, und je unnachgiebiger die Rhetorik von beiden Seiten ausfalle, desto grösser sei aber die Unsicherheit geworden, kommentierte ein Analyst.
Denn noch immer seien die Risiken des Nahost-Krieges für die globale Konjunktur, insbesondere im Hinblick auf steigende Energiepreise und Lieferkettenstörungen, nur begrenzt eingepreist, so der Marktbeobachter. Negative Signale kamen am Nachmittag dann noch von US-Konjunkturdaten. So sind die Aufträge für langlebige Güter im Februar in der grössten Volkswirtschaft der Welt deutlicher gefallen als erwartet.
Auch bei den Ölpreisen kam es nur zu einer kurzzeitigen Entspannung. Während sich der Preis für das Barrel der Nordseesorte Brent am Vormittag zunächst noch etwas abschwächte, zog er am Nachmittag wieder über die Marke von 110 Dollar an. Damit näherte sich der Brent-Preis wieder dem Hoch aus dem März von etwas mehr als 112 Dollar. Bei der für den US-Markt wichtigeren Sorte WTI fiel der Anstieg ähnlich aus.
SMI deutlich im Minus
Der SMI schloss am Dienstag um 1,48 Prozent im Minus auf 12'790,35 Punkten und damit nahe an seinem Tagestief. Am Vormittag war er noch auf ein Tageshoch von 13'067 Punkten geklettert. Der SMIM für die mittleren Werte verlor 1,72 Prozent auf 2898,59 Punkte und der breite SPI sank um 1,48 Prozent auf 17'855,12 Punkte.
Für verstärkten Abwärtsdruck sorgten nicht zuletzt die schwachen Pharmawerte Novartis (-2,8%) und Roche (-2,1%). Die schlechte Stimmung im Pharmasektor führten Händler auf die neuen Ankündigungen der US-Regierung zu neuen Pharma-Zöllen zurück. Allerdings dürften die grossen Basler Pharmakonzerne davon nicht betroffen sein, beide hatten bereits im vergangenen Jahr mit der Trump-Regierung ihre eigenen Abkommen geschlossen.
Noch deutlichere Abgaben erlitten die Titel des Hörgeräteherstellers Straumann (-4,0%). Unter den Zolldrohungen litten laut Händlern aber auch Galderma (-2,0%). Die hohe Unsicherheit rund um den Nahostkrieg drückte zudem zahlreiche zyklische Werte wie die Aktien der Zementhersteller Holcim (-2,5%) und Amrize (-1,9%) oder auch die Titel des Logistikers Kühne+Nagel (-2,2%) tief ins Minus.
Nur moderat waren die Abgaben dagegen bei einer Reihe von defensiven Titeln wie etwa den Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé oder des Telekomkonzerns Swisscom (beide -0,2%). Besser hielten sich auch Versicherungswerte wie HelvetiaBaloise (-0,4%), Swiss Life (-0,1%) oder Swiss Re (unv.).
Q1-Saison eingeläutet
Am breiten Markt schlossen die Aktien der Ems-Chemie (-1,3%) mit etwas unterdurchschnittlichen Verlusten. Das Chemieunternehmen hatte am Morgen die Berichtssaison zum ersten Quartal eingeläutet und dabei immerhin mit den Angaben zur Gewinnentwicklung und einer bestätigten Prognose gepunktet.
Kräftige Verluste mussten unter anderem Montana Aerospace (-6,3%) wegstecken. Kepler Cheuvreux kappte die Einstufung auf "Hold" von "Buy". Die Erwartungen, dass die Umwandlung in ein Luft- und Raumfahrtunternehmen deutliches Aufwärtspotenzial bieten würde, seien nicht erfüllt worden, so die Analysten.
tp/to