(Ausführliche Fassung)
PARIS (awp international) - Auch der französische Luxusgüterhersteller Hermes hat zum Jahresauftakt die Folgen des Iran-Krieges zu spüren bekommen. Vor allem die Geschäfte in Frankreich entwickelten sich schlechter, denn wegen der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten kamen weniger Touristen in das Land. An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an. Die Aktie gab im frühen Handel um fast 13 Prozent nach. Damit summieren sich die Kursverluste seit Jahresbeginn auf gut ein Viertel.
Im ersten Quartal schrumpfte der Umsatz im Jahresvergleich um 1,4 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Euro, wie das EuroStoxx-50-Schwergewicht am Mittwoch in Paris mitteilte. Bereinigt um die Folgen des starken Euro legte der Erlös um 5,6 Prozent zu. Damit verfehlte der Hersteller von Produkten wie Birkin- und Kelly-Taschen die Erwartungen der Experten.
Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC zufolge hat der Quartalsumsatz um zwei Prozent unter dem Konsens gelegen. Das Geschäft mit Lederwaren sei schwächer gelaufen als erwartet. Auch laut Luca Solca von dem US-Analysehaus Bernstein Research hat das Unternehmen im ersten Quartal die zuletzt ohnehin schon gesunkenen Erwartungen verfehlt. Der Luxuskonzern habe aber sein ambitioniertes Wachstumsziel für das Gesamtjahr beibehalten, hob der Branchenkenner hervor.
In den ersten drei Monaten bis Ende März schrumpfte der Erlös von Hermes bereinigt um Währungsschwankungen neben dem Heimatland Frankreich auch im Nahen Osten. In der mit Abstand wichtigsten Region Asien (ohne Japan) stieg zwar der um Währungseffekte bereinigte Umsatz um gut zwei Prozent, damit aber deutlich weniger stark als von Analysten erwartet. Während das Uhren-Segment schwächelte und der Bereich rund um Parfüm und Beauty auf dem Vorjahresniveau verharrte, entwickelte sich vor allem das Lederwarengeschäft besser.
Hermes konzentriert sich vor allem auf exklusive Kunden und hält bestimmte Produkte bewusst knapp. Das stärkte zuletzt die Nachfrage und macht den Luxuskonzern unabhängiger von den schwankenden Ausgaben weniger wohlhabender Kundengruppen - welche ihr Geld nach der Pandemie tendenziell eher beisammen halten. So hatte Hermes die Krise im Luxusgütersektor auch wesentlich besser überstanden als Konkurrenten wie LVMH oder Kering .
Auch der Krieg im Persischen Golf wirkt sich bisher stärker auf einige Wettbewerber aus. So schwächelte im ersten Quartal bei LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) vor allem die wichtigste Sparte mit Mode und Lederwaren, da der Konflikt die Nachfrage nach Marken wie Louis Vuitton und Dior spürbar dämpfte. Der gesamte LVMH-Umsatz ging im Quartal um sechs Prozent zurück, wie der Konzern bereits zu Wochenbeginn mitgeteilt hatte. Auch Kering machten die Folgen des Kriegs zum Jahresstart zu schaffen. Vor allem die kriselnde Modemarke Gucci sorgte beim Konzern für einen Umsatzrückgang ebenfalls von sechs Prozent./mne/tav/men