Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch tiefer geschlossen. Nach einem positiven Start in den Handel drehte sich die Stimmung am frühen Nachmittag ins Negative. Spielverderber waren insbesondere die wieder gestiegenen Ölpreise, sagten Händler. Am Nachmittag überstieg der Preis für das Fass der Nordseesorte Brent erneut die Marke von 100 US-Dollar. Trotz der Verlängerung der Waffenruhe im Iran-Krieg durch US-Präsident Donald Trump deutet sich damit noch keine Entspannung bei den Ölpreisen an. Die Strasse von Hormus bleibt zunächst geschlossen.
Zaghafte Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs gab es an den Finanzmärkten aber dennoch. So hatte Trump gegenüber der New York Post eine zweite Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran schon am Freitag angedeutet. Die Unsicherheit bleibe aber weiterhin gross, ob es auch zu einer Einigung kommen wird, hiess es am Markt. In dieser schwierigen Gemengelage hätten sich Marktteilnehmer daher zurückgehalten.
US-Märkte lassen Europa hinter sich
Der Schweizer Leitindex SMI schloss schliesslich 0,51 Prozent tiefer bei 13'067,63 Punkten und damit fast auf Tagestief. Der SMIM für die mittleren Werte büsste sogar 1,00 Prozent auf 2968,29 Punkte ein und der breite SPI 0,59 Prozent auf 18'485,68 Zähler.
Der SMI befand sich dabei in guter Gesellschaft. Auch andere wichtige europäische Aktienindizes schlossen in einem ähnlichen Umfang tiefer. "Die europäische Wirtschaft wird von den gestiegenen Energiepreisen stärker getroffen als die in den USA", schreibt dazu Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Dies spiele sich nun in den Aktienmärkten nieder.
Deutlich besser war die Stimmung auf der anderen Seite des Atlantiks. Die dortigen Indizes notierten zum Europaschluss teils auf Rekordniveaus. In den USA trieben vor allem Hoffnungen aus dem Technologiesektor die Kurse. Mit Spannung wurden zudem die Zahlen der Techgrössen Tesla, IBM oder Texas Instruments erwartet, die für nachbörslich auf der Agenda standen.
ABB nach Q1-Zahlen gesucht
Lichtblick unter den Blue Chips waren die Aktien von ABB (+3,4% auf 76,72 Fr) nach Zahlen. In den ersten Handelsminuten markierten sie bei 78,82 Franken sogar ein Rekordhoch. Ein Teil der anfänglichen Gewinne ging im Handelsverlauf aber wieder verloren. ABB hat mit seinem Q1-Ergebnis die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen und überzeugte auch mit dem Ausblick.
Auch die Papiere der UBS (+0,2%) schlossen leicht im Plus, reagierten aber insgesamt nicht stark auf die Vorschläge zur Bankenregulierung. Der Bundesrat stellte am Nachmittag seine Vorschläge für die Kapitalausstattung der Bank vor. Die Massnahmen seien teilweise schon so diskutiert worden, und der Markt habe dies entsprechend eingepreist, hiess es im Handel.
Die defensiven Nestlé (+0,2%) schlossen am Tag vor der Zahlenvorlage etwas fester. Eine Belastung für den SMI waren dagegen Roche (-1,3%), während sich Novartis (-0,5%) etwas besser hielten.
Gesundheitstitel unter Druck
Verkauft wurden indes vor allem Aktien aus dem Medizinbereich: Sonova, Alcon, Sandoz, Straumann und Galderma verloren zwischen 1,2 und 3,0 Prozent. Dabei hätten Zahlen etwa von Cochlear Angst vor einer geringeren Ausgabefreudigkeit bei Konsumenten geschürt, sagten Händler.
Im breiten Markt schossen Peach Property (+15%) nach ermutigenden CEO-Aussagen in die Höhe. Auch für Temenos (+4,2%) ging es nach überzeugenden Quartalszahlen vom Vortag klar nach oben. Montana Aerospace brachen dagegen nach dem unerwarteten Abgang des CEOs um knapp 13 Prozent ein.
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