Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat seine Anfangsverluste im Laufe des Morgens ausgebaut und notiert entsprechend eine Stunde vor Mittag deutlich im Minus. Vor allem der Irankrieg und die entsprechend weiterhin hohen Ölpreise belasten laut Händlern die Stimmung. Entsprechend bauen Investoren vor dem Wochenende Positionen ab oder kaufen zumindest nicht zu. "Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran bleiben ungelöst und sorgen damit für eine anhaltende Phase der Unsicherheit", sagte ein Händler.
Ein festgefahrenes Tauziehen zwischen beiden Seiten halte die Anleger zurück und die Märkte in der Schwebe. "Investoren bewegen sich derzeit im Spannungsfeld zwischen diplomatischen Signalen und erneuten Eskalationsrisiken", so der Händler weiter. Solange kein klarer politischer Fahrplan erkennbar sei, bleibe das Umfeld fragil. "Auf dem Börsenparkett dominiert keine klassische Pattsituation, sondern ein von politischem Vakuum geprägtes Umfeld, in dem Nachrichten impulsartig verarbeitet werden."
Der Leitindex SMI verliert um 11 Uhr 1,02 Prozent auf 13'112,63 Punkte, wobei 18 Titel tiefer und nur 2 höher stehen. Der SMIM für die mittelgrossen Werte büsst 1,29 Prozent auf 2955,80 und der breite SPI 1,06 Prozent auf 18'508,03 Punkte ein. Auf die Gesamtwoche zeichnet sich ein deutliches Minus ab: beim aktuellen Niveau sind es deutlich mehr als 2 Prozent. In den vier Wochen davor hatte der SMI allerdings rund 1100 Punkte bzw. fast 9 Prozent zugelegt.
Telekom einsam an der Spitze
Entsprechend der eingetrübten Stimmung sind hierzulande nur ein paar defensive Werte gesucht. Klarer Spitzenreiter im SMI sind dabei Swisscom (+1,5%). Die Auswirkungen von Krieg und Inflation sollten sich auf die Telekom-Firmen nicht gross auswirken, heisst es denn auch. Entsprechend notieren auch die SMIM-Titel Sunrise (+0,6%) höher.
Einigermassen stabil sind auch Nestlé (+0,4%). Die Papiere des Nahrungsmittel-Konzerns sind allerdings weniger wegen der defensiven Ausrichtung gesucht, sondern vielmehr wegen der am Vortag publizierten Quartalszahlen. Im Nachgang dazu haben diverse Analysten ihre Kursziele etwas nach oben angepasst. "Es gibt klare Anzeichen für einen beginnenden Turnaround", heisst es in einem der Kommentare.
Trotz guter Zahlen schwach
Abgesehen von der Politik ist hierzulande weiterhin die Berichtssaison im Gange. Am Freitag haben mit Holcim (-0,3%) und Kühne+Nagel (-1,8%) gleich zwei SMI-Firmen Zahlen präsentiert und beide haben dabei positiv überrascht. Von soliden Zahlen und starker Profitabilität war die Rede. Allerdings fielen die Kurse beider Aktien nach einem starken Start im Verlauf ins Minus.
Zu den grössten Verlierern gehören derweil neben dem Gesundheitswert Lonza (-2,7%) vor allem konjunktursensitive Titel wie Sika (-2,2%), Richemont (-2,2%) oder ABB (-1,9%). Auch Finanzwerte wie Partners Group (-1,7%) oder UBS (-1,1%) büssen deutlicher an Terrain ein. Bei den 30 SMIM-Werten stehen Avolta, Straumann, Adecco oder VAT mit Verlusten von bis zu fast 4 Prozent am Schluss.
Im breiten Markt ist der Halbleiter-Wert Inficon (+3,7%) nach Zahlen stark gesucht. Insbesondere der angehobene Ausblick gibt den Titeln Rückenwind. Bucher (-2,4%) leiden dagegen unter einer Abstufung durch Kepler. Der Titel ist dabei - zumindest phasenweise - unter das bisherige Jahrestief (328 Fr.) gesunken.
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