Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag die negativen Vorgaben abgeschüttelt und Gewinne verbucht. Anleger setzten offenbar weiterhin auf eine Friedenslösung im Iran-Krieg, auch wenn die Lage undurchsichtig bleibe. So haben Israel und Libanon einen neuen Anlauf für eine Waffenruhe gestartet. Daneben gab es zwar im KI-Sektor einige Gewinnmitnahmen in Übersee, eine wirkliche Korrektur sei aber noch nicht zu erkennen, hiess es am Markt.
Nun richtet sich der Fokus bereits auf den morgigen Arbeitsmarktbericht aus den USA. Am Nachmittag liefern die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe das letzte Puzzlesteinchen. Zuletzt waren diverse Konjunkturdaten recht robust ausgefallen. "Diese haben die Sicht unterstützt, dass die USA sicher in nächster Zeit keine Zinssenkung brauchen", so ein Händler. Von der EZB wird ein erster Schritt nach oben bereits in der kommenden Woche erwartet, in der Schweiz bleibt indes die Inflation tief und die SNB ist somit nicht in Zugzwang.
SMI legt zu
Der Swiss Market Index (SMI) steigt gegen 10.50 Uhr um 0,81 Prozent auf 13'324,88 Punkte. Von den 20 SMI-Aktien geben nur 5 nach. Der SMIM der mittelgrossen Werte liegt mit 0,54 Prozent auf 2992,87 Punkten im Plus und der breite SPI gewinnt 0,73 Prozent auf 18'875,18 Punkte.
Die Aktien von Partners Group (+3,1%) wagen nach ihrem Einbruch am Vortag eine zaghafte Stabilisierung. Der Vermögensverwalter versucht sich in Schadensbegrenzung und bestätigt nun trotz der jüngsten Unsicherheiten bei Evergreen-Fonds seine erwartete Bruttoneukundennachfrage von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar. Analysten werten dies in ersten Reaktionen zwar positiv, ein Befreiungsschlag sehe aber anders aus, heisst es im Handel. Am Vortag waren die Titel um gut 16 Prozent eingebrochen.
Ansonsten ist das Gewinnerfeld mit Geberit (+2,0%), Givaudan (+1,6%), Roche (+2,4%) oder Sika (+1,3%) gut durchmischt. Derweil liegen ABB (-1,0%) oder UBS (-0,4%) ohne Nachrichten im Angebot.
Bei Logitech (-1,8%) setzen sich offenbar die Gewinnmitnahmen analog zur Entwicklung an der Nasdaq und den Tech-Titeln in Asien fort. Der PC-Zubehörhersteller hatte in den vergangenen Wochen stark von der KI-Fantasie profitiert und deutlich zugelegt. Mit VAT (-2,1%) oder AMS Osram (-4,0%) sind weitere Vertreter der Tech-Branche unter den Verlierern.
Burckhardt sacken ab
In der zweiten Reihe kommen insbesondere Burckhardt (-8,8%) nach Zahlen unter die Räder. Das Unternehmen erlitt insbesondere beim Auftragseingang einen Einbruch und verfehlte damit die Analystenerwartungen deutlich. Zudem verschiebt das Management die Mittelfristziele.
Auf Barry Callebaut (-1,0%) lastet eine Studie. Goldman Sachs senkt die Einstufung für den Schokoladenhersteller auf "Neutral" von "Buy". Die Vorteile der neuen Wachstumsstrategie dürften sich erst mittelfristig zeigen, schreiben die Analysten.
Von einem Analystenkommentar deutlich profitieren können hingegen Santhera (+7,9% auf 16,42 Fr.). Stifel nimmt die Abdeckung mit "Buy" und einem Kursziel von 25 Franken neu auf. Santhera entwickle sich zu einem schnell wachsenden Spezialpharma-Unternehmen mit Agamree als zentralem Produkt, so die Analysten.
Das Orthopädieunternehmen Medartis (+1,6%) hält einen Investorentag ab und bestätigte im Zuge dessen die aktuellen Ziele.
Ohne Nachrichten schiesst der "Penny Stock" Youngtimers (+60% auf 0,40 Fr.) nach oben. Händler wollen das nicht überbewerten. "Es sind gerade einmal gut 1600 Stücke gehandelt - somit reden wir hier über einen Gegenwert von nicht einmal 1000 Franken", sagte ein Börsianer.
dm/hr