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Grossaktionär Frasers startet Milliardenpoker um Hugo Boss - Kursplus

(neu: Kurs aktualisiert, mehr Hintergrund.)

METZINGEN (awp international) - Um den Modekonzern Hugo Boss ist ein Übernahmekampf entbrannt: Der Grossaktionär Frasers Group versucht im Zuge eines freiwilligen öffentlichen Angebots das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Die Briten bieten 38 Euro je Anteilsschein, insgesamt 2 Milliarden Euro für die Aktien, die sie noch nicht besitzen. Für viele kommt das Angebot überraschend. Droht dem Unternehmen aus Metzingen bei Stuttgart nun ein monatelanger Poker? Die Aktie jedenfalls sprang hoch.

Frasers ist ein Einzelhandelskonglomerat, hinter dem der Unternehmer Mike Ashley steckt. Der Gruppe gehört der Sportfachhändler Sports Direct. Darüber hinaus hält sie zahlreiche Beteiligungen - unter anderem am Onlineshop Asos.

Auch in Deutschland sind die Briten keine Unbekannten. So hatten sie Interesse an der Kette Sportscheck, die dann aber nach Italien verkauft wurde. Ausserdem wurde im Frühjahr der Einstieg bei Puma bekanntgegeben. An Hugo Boss ist die Gruppe mit gut 26 Prozent direkt beteiligt.

Das Angebot kommt nicht von ungefähr: Frasers verfügt nach eigenen Angaben auch über weitere Finanzinstrumente für Hugo-Boss-Aktien. Die Briten hatten sogenannte Put-Optionen verkauft, ihnen könnten also von Aktionären und Inhabern der Optionen zu einem gewissen Preis Aktien angedient werden. Bei Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Anteile hätte Frasers dann ohnehin ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre unterbreiten müssen. Frasers habe sich für ein freiwilliges Angebot entschieden, um das Investment in Hugo Boss zu festigen, hiess es von den Briten.

Sattes Kursplus nach Ankündigung

Für die im Mittelwerteindex MDax gelistete Aktie ging es am Donnerstagnachmittag zuletzt um 11 Prozent nach oben auf 40,46 Euro. Seit Jahresbeginn haben die Papiere nun rund 12 Prozent an Wert gewonnen, mit Blick auf die vergangenen zwölf Monaten rund 3 Prozent. Im vergangenen Jahr allerdings waren über Monate hinweg noch Kurse gezahlt worden, die mit bis zu 48 Euro deutlich über dem jetzigen Angebot lagen. 2023 lag ein Zwischenhoch sogar bei knapp 76 Euro. Der Rekord aus dem Jahr 2015 beträgt 120 Euro.

Für Analystin Chiara Battistini von JPMorgan erscheinen die angebotenen 38 Euro nicht besonders attraktiv. Sie beinhalteten lediglich einen vierprozentigen Aufschlag auf den letzten Xetra-Schlusskurs. Sie sehe allerdings keine offensichtlichen weiteren Interessenten. Battistini beobachtete vor der Bekanntgabe der Frasers-Offerte zudem eine vergleichsweise hohe Short-Quote bei der Aktie - also etliche Anleger, die über Leerverkäufe auf einen fallenden Kurs gewettet hätten.

Frederick Wild vom Analysehaus Jefferies sieht die Übernahmeofferte des Grossaktionärs eher als Versuch, im Rahmen deutscher Gesetze weiter aufzustocken. Mit den gebotenen 38 Euro bilde man hier zunächst einen Boden für die Aktien.

Management von Hugo Boss schweigt

Das Vorgehen erinnert an das Übernahmeangebot der italienischen Grossbank Unicredit für die Commerzbank . Hugo Boss war über den Vorstoss des Grossaktionärs nach eigenen Angaben nicht informiert worden. Das Management um Chef Daniel Grieder ging daraufhin erst einmal bewusst in Deckung. Nach Veröffentlichung der Angebotsunterlagen würden Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben, hiess es von dem Modehändler.

Der Schweizer Grieder ist seit rund fünf Jahren im Amt und hat das Unternehmen durch eine radikale Neuausrichtung zur Lifestyle-Marke umgebaut. Er fokussierte sich auf Digitalisierung, starkes Marketing sowie eine verjüngte Zielgruppe. Der Konzern hat weltweit 20.000 Beschäftigte - davon mehr als 4.400 in Deutschland.

Das Verhältnis zwischen Grossaktionär und Unternehmensführung war zuletzt angespannt. Frasers hatte Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Am Dienstag dieser Woche ruderten die Briten aber zurück. Frasers sei ein langfristig orientierter Investor und stehe weiter zu Aufsichtsratschef Sturm sowie Vorstandschef Grieder, hiess es.

Briten müssten Milliardensumme zahlen

Für die restlichen knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers zum Angebotspreis rund 2 Milliarden Euro hinblättern. Der gesamte Edelschneider würde so mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Einer Mindestschwelle unterliegt das Angebot nicht. Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.

Der Modekonzern hat aktuell mit der mauen Kauflaune seiner Kunden zu kämpfen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht.

Mehrere Übernahmen in der Vergangenheit

Der Bekleidungshersteller hatte einst auch schon dem Finanzinvestor Permira gehört. Er war 2007 über den Kauf des italienischen Modeunternehmens Valentino zur Hugo-Boss-Mehrheit gekommen. 2009 hatte der Investor den deutschen Hersteller aus dem italienischen Konzern herausgelöst und in die Holding Red & Black eingebracht.

Valentino ging 2012 an einen Investor aus dem Golfstaat Katar. 2011 hatte sich Permira dann erstmals von Anteilen an Hugo Boss getrennt. Weitere Anteilsverkäufe erfolgten dann in den Folgejahren./men/ols/err