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Aktien Schweiz Schluss: SMI auf Rekordjagd

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nur eine Richtung gekannt - nach oben. Der Leitindex SMI knackte dabei die Marke von 14'400 Punkten. Für Rückenwind sorgten starke Schwergewichte, Gewinne auf breiter Front sowie insbesondere Hoffnungen auf eine weniger restriktive US-Geldpolitik.

Der US-Arbeitsmarktbericht fiel schwächer aus als erwartet. Dass die US-Wirtschaft im Juni nur halb so viele neue Stellen schuf wie antizipiert, dämpft laut einem Marktbeobachter den Handlungsdruck des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh. "Er kann damit einfacher auf Zeit spielen und auf freundlichere Inflationsdaten warten."

Die Erwartungen an eine Zinserhöhung in den USA hätten sich mit den Daten etwas nach hinten verschoben, ergänzte ein weiterer Börsianer. Das komme gut an den Märkten an, da höhere Zinsen die Attraktivität von Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen verringern. Die US-Börsen bleiben nun am Freitag aufgrund des vorgezogenen Feiertags zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli geschlossen.

SMI auf Rekordhoch

Der Leitindex SMI schloss am Donnerstag um 1,69 Prozent höher bei 14'352,98 Punkten. Am späten Nachmittag hatte der SMI bei 14'406 ein neues Rekordhoch markiert. Alle Titel ausser ABB und Logitech schlossen im Plus. Der Mid-Cap-Index SMIM gewann 0,73 Prozent auf 3181,52 Punkte, der breite SPI 1,45 Prozent auf 20'206,84 Punkte.

Auch die anderen europäischen Börsen wie der Dax gingen klar fester aus dem Handel, der deutsche Leitindex stieg dabei ebenfalls auf ein neues Allzeithoch. Der breite Dow Jones notierte am Abend ebenfalls im Plus, während die techlastige Nasdaq aufgrund der aktuellen Techschwäche etwas tiefer stand.

Rückenwind erhielt der SMI insbesondere von den starken Schwergewichten. So waren sowohl die Pharmariesen Roche (+3,9%) und Novartis (+2,4%) als auch der Lebensmittelmulti Nestlé (1,9% auf 84,45 Fr.) stark gefragt. Nestlé übertrafen dabei im Tagesverlauf ihr altes Jahreshoch bei 84,65 Franken vom März.

Händler verwiesen auf die deutlich besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen beim US-Partnerunternehmen General Mills. Auch andere Nahrungsmittelwerte waren gesucht, darunter Orior (+8,4%), Barry Callebaut (+2,9%) sowie Lindt&Sprüngli (+2,5%). Bei Roche kamen derweil Ergebnisse einer zulassungsrelevanten Studie zum Lungenkrebsmittel Divarasib gut an.

Umschichtung zu Zyklikern und Banken

Generell zeigte sich eine Umschichtung von den zuvor heiss gelaufenen Techwerten hin zu zyklischen Branchen, die zuletzt weniger nachgefragt wurden, wie ein Händler sagte. Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung treibe die Rotation voran. Davon profitierten etwa Holcim (+2,9%), Kühne+Nagel (+2,6%) oder Sika (+2,3%).

Zudem seien auch Banken und Finanzwerte wieder stärker gefragt gewesen, was sich bei UBS (+2,0%) und Julius Bär (+2,9%) zeigte. Bei der Privatbank Julius Bär berichtete Bloomberg zudem vor einer baldigen Lockerung ihrer Einschränkungen bei der Aufnahme bestimmter risikoreicher Kunden. Der Abschluss der Finma-Untersuchungen werde in der zweiten Jahreshälfte erwartet, was den "Bären" wieder Aktienrückkäufe ermöglichen würde.

Schwache Techwerte

Auf der anderen Seite standen ABB (-1,5%) aufgrund der Techschwäche unter Druck. Im breiten Markt wurden auch Comet (-5,8%), Inficon (-3,4%), VAT (-2,7%) und Huber+Suhner (-2,0%) verkauft.

Straumann (-2,5%) fielen nach einem sehr guten Lauf im Mai und Juni mit Verlusten auf. Bei Cicor (-8,1%) war im Handel von einem negativen Analystenkommentar zu hören.

Einen Sprung nach oben machten derweil AMS Osram (+13,4%). Ein Händler verwies auf Fantasie für einen Einsatz der MicroLED-Technologie des Sensoren- und Optohalbleiterherstellers im Rechenzentrenbereich. Stadler Rail (+4,8%) waren laut Marktbeobachtern im Windschatten von Alstom gefragt, der einen Grossauftrag vermeldet hatte.

Ölpreis nur noch knapp über 70 US-Dollar

Auch der Ölpreis profitierte von neuen Hoffnungen im Nahost-Konflikt und setzte seine Talfahrt der vergangenen Wochen fort - er notiert am Abend nur noch knapp über 70 US-Dollar je Fass der Sorte Brent.

Die USA und der Iran haben nach Darstellung der Vermittlerstaaten Katar und Pakistan in indirekten Gesprächen Fortschritte erzielt. Zudem sei vereinbart worden, die Gespräche so bald wie möglich nach den Trauerzeremonien für das getötete iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei fortzusetzen, was nach dem 9. Juli sein könnte.

ls/ra