Fragmentierung verändern die Versicherungslandschaft, sagt Swiss Re Institute
Swiss Re Ltd / Schlagwort(e): Research Update
750 Mrd. USD schwerer Investitionsboom in KI und geopolitische Fragmentierung
verändern die Versicherungslandschaft, sagt Swiss Re Institute
08.07.2026 / 10:00 CET/CEST
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* Weltweite Inflation dürfte 2026 bei durchschnittlich 4,0% liegen, während
BIP-Wachstum auf 2,5% sinkt
* Reales Wachstum der weltweiten Nichtlebenprämien dürfte 2026 aufgrund von
hartem Preiswettbewerb und nachlassender wirtschaftlicher Dynamik auf 0,6%
sinken; Prämien im Lebensversicherungsgeschäft wachsen dank höherer Renditen
mit 2,3% weiter robust
* KI-Investitionen und geopolitische Fragmentierung sorgen für neue Nachfrage
nach Resilienz- und Risikotransferlösungen
Zürich, 8. Juli 2026 – Der jüngste Konflikt im Nahen Osten hat sich zum vierten
grossen, globalen Angebotsschock in sechs Jahren entwickelt und die Wirtschaft
gebremst, die Inflation befeuert und den allgemeinen Wandel zu einer stärker
fragmentierten Weltwirtschaft verstärkt.Vor diesem Hintergrund dürfte das reale
Gesamtwachstum der weltweiten Versicherungsprämien von 3,9% im Jahr 2025 auf
1,3% im Jahr 2026 sinken, wie das Swiss Re Institute in seinem jüngsten
sigma-Bericht «World insurance in 2026: Shock absorbers in a fragmenting world»
prognostiziert. Doch angesichts der weltwirtschaftlichen Umwälzungen durch
wiederkehrende Angebotsschocks, geopolitische Fragmentierung und hohe
Investitionen in neue Infrastruktur wird die Funktion der Rück-/Versicherer,
Unternehmen und Gesellschaft bei der Stärkung ihrer Widerstandsfähigkeit zu
unterstützen, immer wichtiger.
Jérôme Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re: «Der jüngste Konflikt im
Nahen Osten ist kein einmaliger Schock, sondern angesichts von vier
Angebotsschocks in sechs Jahren ein weiteres Zeichen dafür, dass geopolitische
Risiken zu einem strukturellen Merkmal der Weltwirtschaft geworden sind. In dem
Masse, in dem Volkswirtschaften in KI-Infrastruktur, Energiesysteme und
widerstandsfähigere Lieferketten investieren, entstehen völlig neue
Risikopools. Hier kommt der Versicherungswirtschaft eine entscheidende Rolle
zu: Sie reduziert nicht nur die Risiken dieser Investitionen, sondern
ermöglicht auch die Transformation der Realwirtschaft und gibt den Risiken
einen Preis.»
Lieferkettenmanagement entscheidend für die Widerstandsfähigkeit
Nach der Pandemie, der globalen Energiekrise und den Handelsproblemen ist nun
der Konflikt im Nahen Osten der jüngste grosse Angebotsschock, der die
Weltwirtschaft trifft. Das Swiss Re Institute geht für 2026 im globalen
Durchschnitt von 4,0% Inflation aus, rund ein Prozentpunkt mehr als vor dem
Konflikt erwartet, während das globale BIP-Wachstum auf 2,5% sinken könnte. Die
Zinsen dürften länger auf höherem Niveau verharren, weil Anleger für
Inflations-, Fiskal- und geopolitische Risiken eine höhere Kompensation
verlangen.
Weil Regierungen nationale Sicherheit, strategische Autonomie und krisensichere
Lieferketten zunehmend höher priorisieren als wirtschaftliche Effizienz, sieht
der sigma-Bericht die Weltwirtschaft in einem Strukturwandel. Statt «Just in
Time» lautet die Devise bei den Lieferketten mittlerweile «Just in Case»: Um
widerstandsfähiger zu werden, nehmen die Unternehmen eine Neubewertung von
Lieferantenabhängigkeiten, Logistikwegen und geopolitischen Risiken vor.
Welt tritt in Phase aussergewöhnlich hoher KI-getriebener Investitionen ein
Gleichzeitig schaffen schnelle Investitionen in die KI-Infrastruktur einen
wichtigen Ausgleich für die Belastung durch Angebotsschocks. Die Welt steht am
Beginn eines Zyklus, der durch hohe Investitionen in Rechenzentren,
Energieinfrastruktur und hochmoderne Fertigung gekennzeichnet ist. Das Swiss Re
Institute schätzt, dass die KI-Investitionen der Hyperscaler – also der
Technologieunternehmen, die in grossem Stil Internetinfrastruktur aufbauen – im
Jahr 2026 nominal rund 750 Mrd. USD erreichen dürften und damit etwa 0,2 bis
0,3 Prozentpunkte zum US-Wachstum beitragen werden.
Diese Anlagen führen zu einem steigenden Bedarf an Versicherungs-schutz in den
Sparten Sachversicherungen, Engineering, Cyber, Haftpflicht und
Betriebsunterbrechung. Deshalb wird die globale
Rück-/Versicherungskapazität durch sie immer wichtiger.
Ivan Gonzalez, CEO von Swiss Re Corporate Solutions: «Je weiter die
Fragmentierung der Weltwirtschaft und der Lieferketten fortschreitet, desto
mehr steigt die Nachfrage nach spezialisierten Lösungen, die den
internationalen Handel, die Investitionen und die Aufrechterhaltung des
Geschäftsbetriebs unterstützen. Unterdessen sorgt der KI-Boom für beispiellose
Investitionen in die Infrastruktur. Bei einigen der grössten KI-Rechenzentren
liegt heute der Gesamtwert der Anlage schon vor der Installation von
Technologie bei mehr als 20 Mrd. USD, was erhebliche Bau-, Betriebs- und
Kumulrisiken mit sich bringt. Dieses Geflecht von Risiken erfordert Lösungen,
die über die traditionelle Versicherung hinausgehen und Unternehmen mit einer
Kombination aus Risk Engineering, alternativem Risikotransfer und
Finanzierungen helfen, bei ihren Investitionen widerstandsfähiger zu werden.»
Nichtlebenversicherung: begrenzter Abschwung
Die Nichtlebenversicherung tritt in eine schwächere Phase des
Underwritingzyklus ein, doch im Vergleich zu früheren Zyklen ist das Umfeld ein
anderes. Aufgrund der steigenden Schadeninflation, der geopolitischen
Unsicherheit und der wachsenden Katastrophenrisiken dürfte sich der Abschwung
in Grenzen halten.
Das reale Wachstum der weltweiten Nichtlebenprämien dürfte 2026 auf 0,6% sinken
und damit deutlich unter dem langfristigen Trend von 3,6% liegen
(durchschnittliche Wachstumsrate der Jahre 2015–2024). Besonders stark fällt
der Abschwung in den Industrieländern aus, während die Schwellenländer relativ
widerstandsfähig bleiben. Je länger der Inflationsdruck aufgrund des Konflikts
im Nahen Osten anhält, desto grösser ist das Risiko, dass seine Auswirkungen
auf die Reparatur-, Wiederbeschaffungs- und Haftungskosten durchschlagen und
damit den Abwärtsdruck auf die Preise teilweise ausgleichen. Daher könnte der
aktuelle Zyklus flacher ausfallen als frühere Soft-Market-Phasen, wobei die
Versicherer ihre Preise wohl stärker anpassen dürften, wenn sich die Lage bei
Grossschäden, Inflation und Kapitalsignalen stärker verschlechtert als
erwartet.
Trotz sinkendem Preisniveau und steigender Schadeninflation bleiben die
Nichtlebenversicherer profitabel. Das Swiss Re Institute rechnet für 2026 mit
einer Eigenkapitalrendite von 11,4 %, nach einem Höchststand von 14 % im Jahr
2025, bevor sie bis 2028 auf 7,7 % zurückgeht. Die weiterhin hohen
Kapitalanlageerträge bilden den wichtigsten Puffer gegen den Abschwung im
Underwriting-Zyklus.
Lebensversicherung: profitables Wachstum
Die Lebensversicherung profitiert weiterhin von dem gestiegenen Zinsniveau. Dem
sigma-Bericht zufolge dürften die weltweiten Lebensversicherungsprämien im Jahr
2026 real um 2,3% und damit über dem langfristigen Trend wachsen. Dem Spar- und
Rentenversicherungsgeschäft kommen nach wie vor die höheren Renditen zugute,
und die Schwellenländer profitieren von günstigen demografischen Entwicklungen,
regulatorischen Reformen und einer steigenden Versicherungsdurchdringung.
Die Aussichten für die Profitabilität der Lebensversicherer bleiben ebenfalls
positiv, weil die Kapitalerträge weiterhin durch höhere Wiederanlagerenditen
gestärkt werden.
So erhalten Sie diese sigma-Studie:
Die englische Ausgabe der sigma-Studie 2/2026, «World insurance in 2026: Shock
absorbers in a fragmenting world», steht in elektronischer Form zur Verfügung.
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Risikotransfers mit dem Ziel, die Welt widerstandsfähiger zu machen. Sie
antizipiert und steuert Risiken – von Naturkatastrophen bis zum Klimawandel,
von alternden Bevölkerungen bis zur Cyber-Kriminalität. Ziel der Swiss Re
Gruppe ist es, der Gesellschaft zu helfen, erfolgreich zu sein und Fortschritte
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