PARIS/LONDON/ZÜRICH (awp international) - Die Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten hat zur Wochenmitte schwer auf den europäischen Aktienbörsen gelastet. Der jüngste Höhenflug der Kurse könnte somit erst einmal beendet sein. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 büsste am Mittwoch 1,82 Prozent auf 6.204,91 Punkte ein. Er fiel damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Juni zurück. Vom Rekordhoch am Montag ist der Index damit um fast vier Prozent gesunken.
Nach der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump mit weiteren Angriffen gedroht. Das US-Militär habe den Iran mit seinen Attacken vergangene Nacht "hart getroffen" und "wir werden sie höchstwahrscheinlich auch heute Nacht wieder hart treffen", sagte er bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in Ankara.
Ausserhalb des Euroraums verlor der schweizerische SMI 1,30 Prozent auf 14.174,35 Punkte. Der britische FTSE 100 fiel um 1,66 Prozent auf 10.489,04 Zähler . Spanische Aktien litten zudem unter Drohungen des US-Präsidenten auf dem Nato-Gipfel, jeglichen Handel mit Spanien einzustellen. Der spanische Ibex-Index büsste daraufhin fast drei Prozent ein.
Die Entwicklung der einzelnen Sektoren erinnerte an den Höhepunkt des Iran-Konflikts im ersten Börsenhalbjahr. Die von der Konjunktur und den Energiepreisen abhängigen Sektoren standen unter Druck, defensive Branchen wie Versorger und Telekommunikation hielten sich weit besser.
Der Öl- und Gassektor legte angesichts stark steigender Energiepreise um knapp zwei Prozent zu. Kurz vor Börsenschluss stieg der Brent-Ölpreis über die Marke von 80 US-Dollar. Aktien von Eni lagen mit plus 3,7 Prozent an der Spitze des EuroStoxx 50 . Papiere von Totalenergies legten um 2,3 Prozent zu. In London zeigten BP und Shell ebenfalls Stärke.
Zu den schwächsten Sektoren zählten die Automobilbauer und damit eine sowohl von den Ölpreisen als auch von funktionierenden Lieferketten abhängige Branche. So verloren Renault gut vier und Stellantis 5,8 Prozent.
Technologiewerte hielten sich dagegen trotz schwacher Vorgaben der US-Halbleiterwerte und wachsender Zweifel am Boom der Künstlichen Intelligenz einigermassen. Grund dafür war die vergleichsweise solide Entwicklung des Halbleiterschwergewichts ASML . Dessen Aktien gewannen 1,3 Prozent.
Papiere des Medienkonzerns Vivendi brachen um fast zwölf Prozent ein. Ein Gericht in Frankreich entschied, dass der Grossaktionär Vincent Bolloré und der Mischkonzern Bolloré keine faktische Kontrolle über Vivendi ausüben. Damit müssten die grossen Anteilseigner den Minderheitsaktionären kein Kaufangebot unterbreiten, hiess es im Handel./bek/he