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Lindt senkt nach überraschend starkem Absatzrückgang Preise

(Zusammenfassung)

Kilchberg (awp) - Lindt & Sprüngli hat sich im ersten Halbjahr 2026 trotz hoher Rohstoffkosten und einer schwachen Konsumentenstimmung behauptet. Die satten Preiserhöhungen führten aber in europäischen Märkten zu stärkeren Absatzverlusten als erwartet. Der Schokoladenhersteller reagiert nun teils mit Preissenkungen und kleineren Packungen.

"Wir waren alle etwas überrascht von den Reaktionen in einigen Märkten", sagte Konzernchef Adalbert Lechner an einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Dienstag. In Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien hätten die Konsumenten - im Gegensatz zu früheren Jahren - nach den Preiserhöhungen deutlich vorsichtiger eingekauft.

Im ersten Halbjahr steigerte der Hersteller von Lindorkugeln, Pralinés und Schoggihasen den Umsatz zwar organisch um 4,3 Prozent. Das war aber deutlich weniger als im gesamten letzten Jahr mit 12,4 Prozent. Und das Wachstum beruhte erneut vollständig auf höheren Verkaufspreisen.

Um die stark gestiegenen Kosten insbesondere für Kakao auszugleichen, erhöhte Lindt die Preise im Zeitraum von Januar bis Juni gruppenweit um 11,8 Prozent, dies nach bereits happigen Aufschlägen im letzten Jahr. Gleichzeitig ging das Volumen-/Mix-Verhältnis um 7,5 Prozent zuück. Das bedeutet vereinfacht, dass deutlich weniger Produkte verkauft wurden.

In Schweizer Franken ging der Umsatz wegen ungünstiger Währungseffekte um 0,9 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken zurück.

Europa besonders schwach

Besonders schwierig entwickelte sich der Kernmarkt Europa. Dort sank der Umsatz organisch um 2,1 Prozent. Neben den höheren Preisen belasteten ein schwaches Ostergeschäft, die verhaltene Konsumentenstimmung, weniger Reisende aus Asien und dem Nahen Osten sowie die Hitzewelle im Juni.

Deutlich besser lief das Geschäft in Nordamerika. Dort legte der Umsatz organisch um 12,7 Prozent zu. Gefragt waren unter anderem Lindor-Produkte, dunkle Schokolade, Saisonartikel und Produkte der Marke Ghirardelli.

Trotz des schwachen Mengenverlaufs konnte Lindt die Profitabilität leicht steigern. Der operative Gewinn (Ebit) stieg leicht auf 260,2 Millionen Franken. die entsprechende Marge verbesserte sich auf 11,2 von 11,0 Prozent. Lindt begründete dies mit straffer Kostenkontrolle, Effizienzsteigerungen und optimierten Abläufen. Der Reingewinn nahm um 1,6 Prozent auf 191,7 Millionen Franken zu.

Für das Gesamtjahr hält Lindt an seinen Zielen fest. Der Umsatz soll organisch um 4 bis 6 Prozent wachsen. Mittelfristig strebt der Konzern weiterhin ein jährliches organisches Wachstum von 6 bis 8 Prozent an. Im zweiten Halbjahr sollen sich die verkauften Mengen stabilisieren. Für 2027 strebt das Management wieder ein Absatzwachstum an.

Kleinere Packungen und tiefere Preise

Um den Absatz zu stabilisieren, will Lindt in besonders preissensiblen Märkten die Preise ausgewählter Produkte korrigieren. Daneben setzt der Konzern auf kleinere und damit beim Kauf günstigere Packungen. So sollen Lindor-Produkte zusätzlich in Grössen von 100 oder 137 Gramm angeboten werden. Ergänzend zur 500-Gramm-Packung ist etwa auch eine Variante mit 337 Gramm vorgesehen. Der Preis pro Kilogramm soll damit nicht grundsätzlich sinken, wohl aber der Betrag, den Kunden an der Kasse bezahlen müssen.

Zusätzlich will Lindt enger mit den Detailhändlern zusammenarbeiten, die Werbung verstärken und seine Spar- und Effizienzprogramme ausbauen.

Von einer Rückkehr zum früheren Preisniveau geht Lindt trotz der zuletzt gesunkenen Kakaopreise nicht aus. Die laufende Kakaoernte sei nahezu perfekt ausgefallen, sagte Finanzchef Martin Hug. Die nächste Ernte dürfte jedoch schwächer sein. Zudem erwartet Lindt eine leicht steigende weltweite Nachfrage.

An der Börse wurden die Zahlen mit Skepsis aufgenommen. Die Partizipationsscheine verloren im frühen Handel 1,2 Prozent. Zwar überraschte die verbesserte Marge positiv. Analysten warfen jedoch die Frage auf, ob Lindt nach den massiven Preiserhöhungen wieder zu nachhaltigem Absatzwachstum zurückfinden kann.

to/uh