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Munich Re warnt vor wachsenden Schäden durch Hagel und Hitze

Monte Carlo/München (awp international) - Der Rückversicherer Munich Re warnt nach einem katastrophenarmen ersten Halbjahr vor hohen Gefahren durch mittelgrosse Naturereignisse wie Hagel und Feuer. Inzwischen führten solche Ereignisse insgesamt zu Schadenniveaus, die bislang vor allem mit Grossereignissen assoziiert wurden, teilte der Dax-Konzern beim traditionellen Branchentreffen am Sonntag in Monte Carlo mit.

Nach einem jahrelang zunehmenden Schadentrend hätten solche Ereignisse unterhalb grosser Naturkatastrophen die Versicherungsbranche 2025 rund 104 Milliarden US-Dollar gekostet. Auch die zunehmende Hitze werde immer mehr zum Schadentreiber.

"Die Folgen der Hitzewellen forderten in den vergangenen Monaten zunehmend Menschenleben", schrieb die Munich Re. Zudem beeinträchtigten die "aussergewöhnlich hohen Temperaturen" ebenso wie Fluten die Infrastruktur und damit auch Lieferketten der Wirtschaft. Hinzu kämen erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen sowie an Gebäuden und technischen Anlagen. "Somit entwickeln sich solche Naturgefahren zunehmend zu ökonomischen Risiken, wenn auch die Kausalität bei Hitzeschäden nicht immer einfach herzuleiten ist."

Seit diesem Wochenende treffen sich Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück wie jedes Jahr mit Erstversicherern wie Allianz und Generali sowie Maklern im Fürstentum Monaco, um über die Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum kommenden Jahreswechsel zu beraten. Nach immensen Prämienerhöhungen vor wenigen Jahren wird Rückversicherungsschutz im Schaden- und Unfallgeschäft für Erstversicherer seit Anfang 2025 wieder schrittweise billiger.

Weiter sinkende Preise erwartet

Bei den Vertragserneuerungen seit Anfang 2026 mussten die drei Weltmarktführer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück im Schnitt Preisrückgänge von rund fünf Prozent hinnehmen, wenn man Inflation und veränderte Risiken berücksichtigt. Und nach Einschätzung von Ratingagenturen dürften die Preise weiter sinken. "Wir glauben, dass wir 2027 eine ähnliche Entwicklung haben werden wie 2026 auf weitere Preisrückgänge hinstellen", sagt Branchenexperte Johannes Bender von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P).

Laut einer Umfrage der Ratingagentur Moody's erwarten 86 Prozent der befragten Erstversicherer weiter sinkende Preise. In der Schadenversicherung etwa für Wohngebäude, Industrieanlagen und Autos rechnen die meisten sogar mit Abschlägen von mehr als 7,5 Prozent. Besonders starke Rückgänge erwarten sie in den USA und der Karibik, wo Hurrikans und andere Wirbelstürme immer wieder Milliardenschäden anrichten. Zuletzt war die Region allerdings glimpflich davongekommen.

Waldbrandrisiko nimmt zu

Entsprechend warnt die Munich Re vor kleineren Naturgefahren, die in den vergangenen Jahren immer höhere Schäden verursacht haben. So richteten die verheerenden Waldbrände in Kalifornien Anfang 2025 volkswirtschaftliche Schäden von insgesamt etwa 54 Milliarden Dollar an, laut Munich Re der grösste volkswirtschaftliche Schaden jemals in dieser Kategorie. Davon musste die Versicherungsbranche rund 40 Milliarden Dollar tragen.

In Europa nahmen grosse Waldbrände zuletzt zu. Zuletzt brachen Feuer nahe Grossstädten wie Bordeaux, Marseille und Madrid aus, auch Sizilien war betroffen. "Letztlich blieben grössere Ballungszentren in Europa bislang verschont", resümiert der Rückversicherer.

Zunehmende Risiken sieht die Munich Re auch rund um Hackerangriffe und andere Schäden rund um Computer und Daten. Laut Studien des Rückversicherers sähen sich 89 Prozent der Unternehmen nicht ausreichend gegen Cyberkriminalität geschützt. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Hacker Daten aus der Berliner Verwaltung, die sie bei einem Cyberangriff erbeutet hatten. Dabei geht es um 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte.

stw/zb