Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstag deutlich unter Druck. Belastend wirken die erneute Eskalation im Nahen Osten, weiter steigende Ölpreise sowie die anziehenden Anleiherenditen. Damit sind die Vortagesgewinne bereits wieder aufgezehrt. Zusätzlich sorgt der am Mittwoch erwartete Zinsentscheid der US-Notenbank für Zurückhaltung.
Neue Spannungen im Nahen Osten treiben den Ölpreis weiter nach oben. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent verteuert sich in Richtung 108 US-Dollar. "Der Ölpreis ist derzeit der unmittelbarste Belastungsfaktor für die Märkte", sagt ein Marktbeobachter. Damit rücke auch der Fed-Entscheid noch stärker in den Fokus. Am Markt wird überwiegend mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte gerechnet.
Auch von den Anleihemärkten kommt Gegenwind. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg bis auf 5,041 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Für die Aktienmärkte sei es derzeit schwer, sich zu behaupten, sagt ein Marktanalyst. "Steigende Energiepreise und steigende Zinsen bilden einen Teufelskreis, der die Perspektiven für Aktien gleich auf mehreren Ebenen belastet."
SMI auf Dreimonatstief
Der Schweizer Leitindex SMI verliert bis gegen 11.00 Uhr 1,22 Prozent auf 13'708,71 Punkte. Das Tagestief liegt rund 30 Punkte darunter und entspricht dem tiefsten Stand seit Mitte Juni. Der breite SPI fällt um 1,17 Prozent auf 19'310,24 Zähler.
Auch die übrigen europäischen Börsen stehen am Dienstag unter Druck. In den USA deuten die Futures ebenfalls auf eine schwächere Eröffnung hin.
Bei den Blue Chips führen UBS (-4,2%) die Verliererliste an. Marktbeobachter verweisen auf Regulierungssorgen im Vorfeld anstehender politischer Diskussionen sowie auf eine allgemeine Schwäche des Finanzsektors. Partners Group (-3,6%) sinken auf ein Mehrjahrestief, auch Julius Bär (-2,9%) und Swissquote (-2,5%) geben überdurchschnittlich nach.
Deutlich tiefer notieren auch die Schwergewichte Nestlé (-1,6%), Novartis (-0,5%) und Roche (-1,2%). Anders als noch am Vortag können sie dem Leitindex damit keine Stütze geben.
Knapp im Plus halten sich die defensiven Swisscom (+0,3%) sowie Zurich (+0,2%) und Swiss Re (+0,4%). Die beiden Versicherer dürften von Umschichtungen innerhalb des Finanzsektors profitieren. Zudem hatte der französische Versicherer AXA zuletzt weiteres nachhaltiges Gewinnwachstum für die Branche in Aussicht gestellt und damit signalisiert, dass der Gewinnhöhepunkt noch nicht erreicht sein dürfte.
Bewegung im breiten Markt
Im breiten Markt geben Medacta (-4,0%) nach der Aufnahme der Abdeckung durch die Deutsche Bank mit der Einstufung "Hold" nach. In der Studie wird darauf verwiesen, dass die sehr hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre auf Dauer kaum zu halten seien.
Ebenfalls deutlich im Minus liegen SMG (-5,1%) nach Verschiebungen im Aktionariat. Die Mobiliar hat ihre Beteiligung deutlich reduziert, während die TX Group (+0,1%) ihren Anteil im Zuge der Transaktion erhöht hat.
Obenaus schwingen dagegen die Titel des Biopharma-Unternehmens Bioversys (+5,2%) nach einer Kurszielerhöhung durch Citigroup. Ebenfalls klar im Plus sind die Aktien des Börsenneulings Centiel (+3,2%). Das Unternehmen will mit dem Kauf einer Produktionsanlage in Muzzano seine Kapazitäten für das erwartete starke Wachstum ausweiten.
Bei den Technologie- und Halbleiterwerten bleibt eine Erholung vorerst aus. Die Titel waren bereits zum Wochenauftakt weltweit unter Druck geraten. Eine langsamere Entwicklung neuer KI-Spitzenmodelle könnte die Investitionen in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur bremsen, schreibt Swissquote. Entsprechend geben auch die Halbleiterwerte nach. Huber+Suhner und Belimo, die vom Ausbau der Datenzentren profitieren, liegen ebenfalls leicht im Minus und können die deutlichen Verluste vom Montag vorerst nicht wettmachen.
an/to